Reim des Monats

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Seit Veröffentlichung der Internationalen Sprache werden literarische Werke originär in Esperanto geschrieben und aus anderen Sprachen in Esperanto übersetzt.

Mittlerweile sind es bis zu 50.000, und die Zahl wächst ständig weiter.

SchreibfederUnser Gruppenmitglied Manfred Retzlaff widmet bereits seit Jahren viel Zeit und Liebe der Übersetzung von Gedichten, die er uns von Zeit zu Zeit am Gruppenabend vorstellt.

Die Sammlung seiner Übersetzungen ist unter www.poezio.net veröffentlicht.

Er hat uns erlaubt, einzelne hier im regelmäßigen Wechsel vorzustellen.

 

Christian Friedrich Hebbel,

Winterlandschaft

 

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
Bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
Die muntern Pulse stockten längst, die Bäche,
Es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
Erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
Und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
So gräbt er, glaub ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
Wirft einen letzten Blick aufs öde Land,
Doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
Trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Christian Friedrich Hebbel,

Vintra pejzaĝo

tradukita de Manfred Retzlaff

La blanka faco tute senviviĝis,
Sin etendante vaste en silent’;
La gajaj riveretoj rigidiĝis,
Sin movas eĉ ne la malvarma vent’.

La korvo inter neĝo kaj glacio,
Profunde sin enfosas tiu ĉi;
Mi kredas, ke, se ne troveblas io
Manĝebla, tombon fosas ĝi al si.

La sun’, lastfoje tra nubar’ brilanta,
Rigardas tiun ĉi dezerton nun;
La mort’, en blanka festvestaĵ’ tronanta,
Ĝi spitas oscedante al la sun’.

 

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