Geschichte

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Schlaglichter der Esperanto-Geschichte (insbesondere in Deutschland)

1887

Unter dem Pseudonym „Dr. Esperanto“ veröffentlicht Zamenhof in Warschau das erste Esperanto Lehrbuch. Nachdem der Druck am 21. Mai von der Zensur freigegeben wird, erscheint das erste Lehrbuch am 26. Juli zunächst in Russisch, dann in Polnisch, Französisch und Deutsch, ein Jahr später auch in Englisch. Die deutsche Ausgabe enthält 931 Wortelemente.

1888

In Nürnberg entsteht der erste Esperanto-Klub der Welt. Er geht aus dem bereits 1885 gegründeten Weltsprachverein hervor, der sich ursprünglich für Volapük eingesetzt hatte. Der Vorsitzende des Vereins, Christian Schmidt, gibt 1889 die erste Esperanto-Zeitschrift „la Esperantisto“ heraus; der Nürnberger Journalist Leopold Einstein veröffentlicht ein Esperanto-Lehrbuch.

1889

Zamenhof gibt ein Adressenverzeichnis mit 1.000 Anschriften von Esperanto-Sprechern heraus: 921 sind aus dem russischen Zarenreich, 29 aus Deutschland, 21 aus Österreich-Ungarn, 9 aus England, 5 aus Frankreich, je 4 aus den USA und Schweden, 2 aus der Türkei und je 1 aus China und Rumänien (2 sind ohne Adresse).

1891

Neue Gruppen entstehen: zum Beispiel in München durch Ludwig Emil Meier, in Schalke durch Wilhelm Heinrich Trompeter.

1903

Der Schweizer Jean Borel gibt in seinem Verlag Möller und Borel in Berlin Lehrbücher und Informationsschriften heraus. Er gründet die Zeitschrift Esperantistische Mitteilungen, die 1905 in Germana Esperantisto umgetauft wird. Borels Lehrbuch erscheint in 10 Auflagen mit insgesamt 100.000 Exemplaren.

1905

688 Männer und Frauen aus dreißig Ländern treffen sich im französischen Boulogne-sur-Mer zum ersten Esperanto-Weltkongress. Zamenhof verzichtet auf seine Rechte an Esperanto. Die deutschsprachigen Esperantisten treffen erste Vorbereitungen, eine Esperanto-Organisation ins Leben zu rufen.

1906

Im März gibt Fritz Schuck aus Braunschweig ein „Album bekannter Esperantisten“ heraus. Zwei Monate später am 19. Mai schließen sich in Braunschweig Esperantisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur „Deutschsprachigen Esperantisten-Gesellschaft“ zusammen. Vorsitzender ist Dr. Eduard Mybs aus Hamburg Altona, Sekretär Dr. Julius Hanauer aus Frankfurt am Main. Im Jahre 1909 wird der Name in „Deutscher Esperanto-Bund“ geändert.

1908

Den vierten Esperanto-Weltkongress organisieren deutsche Esperantisten in Dresden, vor allem Dr. Eduard Mybs, Dr. Albert Schramm, Marie Hankel und Dr. Heinrich Gustav Arnhold. („La kvaro por la kvara.“) Schirmherr ist König Friedrich August von Sachsen. Die Theater-Aufführung von Goethes „Iphigenie“, übersetzt von Zamenhof, wird der Höhepunkt des Kongresses.

1911

Arbeiter gründen eine eigene Organisation, den Deutschen Arbeiter-Esperanto-Verband.

1914

Der Deutsche Esperanto-Bund hat 179 Ortsgruppen mit insgesamt 4260 Mitgliedern. Daneben gibt es starke Fachverbände, zum Beispiel sind mehr als 500 Postangestellte organisiert. Zum Weltkongress in Paris haben sich über 3700 Esperantisten angemeldet. Doch der Kongress findet nicht statt – Europa befindet sich im Krieg. Der erste Weltkrieg unterbricht den Aufschwung der Esperanto-Bewegung.

1917

Am 14. April stirbt Ludwig Zamenhof.

1920

In Köln gründet der Journalist Teo Jung die später unter dem Namen „Heroldo de Esperanto“ weitergeführte Zeitschrift. Sie wird heute in Madrid herausgegeben.

1923

Die Esperanto-Bewegung in Deutschland ist eine der stärksten in der Welt. Es gibt 184 Ortsgruppen des Esperanto-Bundes, 85 Arbeiter-Esperanto-Gruppen und 26 staatlich anerkannte Prüfungskommissionen des „Esperanto-Institutes für das Deutsche Reich“. Der Weltkongress der Arbeiter-Esperantisten findet in Kassel statt, der allgemeine Weltkongress in Nürnberg mit über 5.000 Teilnehmern. Für die ausländischen Gäste war die Reise nach Deutschland extrem billig wegen der Inflation. Aber die deutschen Esperantisten leiden stark unter der Geldentwertung, die Bankguthaben vieler Gruppen werden wertlos. Mit Mühe schafft es der Dresdner Verleger Friedrich Ellersiek, die Verbandszeitschrift „Germana Esperantisto" durch die Inflation zu retten.

1925

Die Eröffnungsrede des Deutschen Esperanto-Kongresses in Magdeburg wird im Radio übertragen. Postrat Behrendt schlägt darin eine „universelle Universität“ vor: Die Vorlesungen werden in Esperanto gehalten und über die neue technische Sensation – das Radio – in alle Welt übertragen.

1928

Nach einer Erhebung des Esperanto-Institutes gibt es im Deutschen Reich 441 Esperanto-Gruppen mit insgesamt 8490 Mitgliedern.

1933

Fünf Wochen nach der Machtübernahme der Nazis werden alle Arbeiter-Esperanto-Gruppen brutal zerschlagen. Während des 25. Esperanto-Weltkongresses in Köln wird der Deutsche Esperanto-Bund gleichgeschaltet. Nur 950 Esperantisten reisen zu diesem Kongress ins Nazi-Deutschland.

1935

Am 8. Juli verbietet Erziehungsminister Bernhard Rust Esperanto-Unterricht, weil es „den wesentlichen Wert völkischer Eigenheiten schwäche“ - ein Jahr danach werden alle Esperanto-Vereinigungen aufgelöst, der Deutsche Esperanto-Bund verboten.

1946

Im August und September bilden Esperantisten aus Nord- und Westdeutschland eine Arbeitsgemeinschaft. Zusammen mit der „Esperanto-Union für die US-Zone“ planen sie die Wiedergründung des Deutschen Esperanto-Bundes.

1947

Am 12. April wird in Frankfurt/M. der Deutsche Esperanto-Bund wiedergegründet.

1951

Aus der Jugendabteilung bildet sich die selbständige Deutsche Esperanto-Jugend.

1951

Nur sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg richtet der Esperanto-Weltbund in München wieder einen Weltkongress in Deutschland aus.

1954

UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, verabschiedet auf ihrer Generalversammlung in Montevideo eine Resolution zugunsten von Esperanto und nimmt den Esperanto-Weltbund als Beratendes Mitglied an.

1955

Der Deutsche Esperanto-Bund schließt sich auf seinem Kongress in Neustadt/Weinstraße dem Esperanto-Weltbund (UEA) an. Besonders Arbeiter-Esperantisten sehen dadurch die Neutralität des Deutsche-Esperanto-Bundes verletzt und gründen 1956 in Frankfurt/M. den „Freien Esperanto-Bund“.

1957

Vom 26. Dezember bis zum 1. Januar 1958 veranstaltet die Deutsche Esperanto-Jugend in Mainz ihr erstes „Internationales Seminar“ (IS). Hier wird nicht über, sondern in Esperanto über aktuelle Themen diskutiert – z.B. über „Probleme der Europäischen Einigung“. Die Seminare entwickeln sich später zur erfolgreichsten regelmäßigen Esperanto-Veranstaltung in der Bundesrepublik mit mehr als 200 Teilnehmern aus 20 Ländern.

1958

In Mainz findet der 43. Esperanto-Weltkongress mit mehr als 2.000 Teilnehmern statt. Vorsitzender des Kongresskomitees ist Franz Stein, der Oberbürgermeister von Mainz.

1959

Radio Warschau beginnt, regelmäßig Programme in Esperanto auszustrahlen. Die Sendungen werden ständig ausgeweitet - 1987 gibt es bereits sechs Sendungen täglich.

1964

Am 19. Dezember startet Radio Peking seine Esperanto-Sendungen. Die zunächst nur auf Europa gerichteten Sender werden bereits ein Jahr später auch auf andere Regionen ausgerichtet und sind seit 1979 täglich zu hören.

1965

Der Weltkongress in Tokio ist der erste in Asien.

1965

In der DDR, wo die Verbreitung der Sprache länger als in den meisten anderen realsozialistischen Ländern nicht erlaubt war, wurde ein „Zentraler Arbeitskreis Esperanto“ gegründet. Es folgten mehr als zwei Jahrzehnte höchst bemerkenswerter Esperanto-Aktivität trotz regimetypischen Verboten und Einschränkungen. Von bleibenden Wert sind die interlinguistischen Arbeiten von Detlev Blanke und die Wörterbücher von Erich Dieter Krause.

1970

Der Arbeiter-Esperanto-Bund SAT gibt das einsprachige Wörterbuch „Plena Ilustrita Vortaro“ mit einem Umfang von 1300 Seiten heraus. Aus den darin aufgeführten 16.000 Wortstämmen lassen sich etwa 160.000 Begriffe bilden.

1973

Das Wissenschaftsministerium in Bonn erhält die zentrale Zuständigkeit für Esperanto im Bereich der Bundesdienststellen.

1974

Zum 59. Esperanto-Weltkongress in Hamburg schreibt Friedens-Nobelpreis-Träger Willy Brandt an die Teilnehmer, ihr Beisammensein sei „Völkerverständigung im wahrsten Sinn des Wortes“.

1974

Die Jugendsektion des Esperanto-Weltbundes TEJO gibt zum ersten Mal die Gastgeberliste „Pasporta Servo“ heraus. In ihr sind Namen und Adressen von Esperanto-Sprechern enthalten, die gerne Gäste aus anderen Ländern bei sich beherbergen. Jedes Jahr erscheint eine neue Liste. (1987 hat sie mehr als 800 Adressen aus 50 Ländern)

1977

Die Esperanto-Verbände in den EG-Ländern beschließen auf dem Weltkongress in Reykjavik eine noch engere Zusammenarbeit und gründen die Europa-Esperanto-Unio. Auf demselben Kongress hält Amadou Mahtar M`Bow, der Generalsekretär der UNESCO, die Festansprache.

1981

Der erste Weltkongress auf der Südhalbkugel – in Brasilia – zeigt die Stärke des Esperanto in der „Dritten Welt“.

1985

Beim 70. Esperanto-Weltkongress in Augsburg ist Bundestagspräsident Philipp Jenninger Vorsitzender des Ehrenkomitees.

1985

Am 8. November fordert die Generalversammlung der UNESCO auf ihrer 23. Tagung in Sofia ihre Mitgliederstaaten auf, das 100jährige Jubiläum von Esperanto zu würdigen und „die Einführung von Studienprogrammen zum Sprachenproblem und zu Esperanto in ihren Schulen und Hochschuleinrichtungen zu unterstützen“.

1986

Mit 2482 gemeldeten Teilnehmern aus mehr als 50 Ländern ist der Weltkongress in Peking der bisher bedeutendste außerhalb Europas. Er findet große Resonanz unter chinesischen Politikern und in der Öffentlichkeit.

1987

In Warschau feiern 6.000 Esperanto-Sprecher aus mehr als 60 Ländern das 100jährige Bestehen des Esperanto.

1989

Die Aalener Stadtverwaltung schließt einen Vertrag über 20 Jahre über die Dauerleihgabe mit der Deutschen Esperanto-Bibliothek an die Stadt Aalen ab.

1990

Die vatikanische Gottesdienst- und Sakramentenkongregation "Normen für die Feier der Messe in Esperanto" erkennt die Messtexte in Esperanto an. So wurde Esperanto definitiv zur "liturgischen Sprache" in der "Katholischen Kirche".

1993

Der PEN-Weltkongress erkennt das "Esperanto PEN-Zentrum" an.

1999

Der Esperanto-Weltkongress findet in Berlin statt. "Esperanto - das neue Latein der Kirche" erscheint in einer Auflage von 10.000 Exemplaren Es berichtet von der erfolgreichen Anwendung des Esperanto unter Christen in aller Welt.

2002

Vertrag zwischen "Le Monde diplomatique" und seiner "Esperanto-Redaktion" über das monatliche Veröffentlichen von zumindest einem Teil der Zeitung in Esperanto.

2004

Im Europäischen Parlament stimmen 40% der Abgeordneten dafür, die Eignung von Esperanto als Hilfssprache zu erforschen.

2005

Der Schweizer Wissenschaftler Grin schätzt den Vorteil, den Briten aufgrund des EU-Sprachregimes haben, auf 17 Mrd. EUR jährlich.

2006

Ökumenisch gesinnte Esperanto sprechende Christen haben die „Esperanto-Liga für Christen in Deutschland e.V.“ gegründet.

2007

Herzberg (Harz) wird "die Esperanto-Stadt" und macht Esperanto zu einem Teil seines Tourismuskonzepts.

2009

Die 2008 neugegründete Europa-Demokratie-Esperanto Partei (EDE) kann dem Bundeswahlleiter 6.000 Unterschriften für die Teilnahme an den Europawahlen übergeben. Die Grünen nehmen Esperanto „als internationale Sprache der Völkerverständigung“ in ihr Europawahlprogramm auf.

2009

Die zweite deutsche Esperanto-Briefmarke, auf der Marie Hankel im Dresden von 1908 im Kreise von Dr. H. Arnold, Dr. E. Mybs und Dr. A. Schramm abgebildet ist, wurde fertiggestellt.

2010

WikiTrans, die maschinenübersetzte, esperantosprachige Version der englischen Wikipedia ist mit ca. 4 Millionen Artikeln verfügbar.

2011

Erstaustrahlung des Internetradios Muzaiko; Es sendet 24 Stunden täglich (Eine Sendung von drei Stunden wiederholt sich achtmal.).

2012

In der Bayrischen Staatsbibliothek informiert eine Plansprachenausstellung unter anderem über 125 Jahre Esperanto. Der Google-Übersetzer übersetzt jetzt auch von und nach Esperanto. Das Betriebssystem Android enthält ab Version 4.2 eine systemintegrierte Esperanto-Tastatur.

2014

200.000 Artikel in la Esperanto-Wikipedia. Gemäß der Artikelanzahl hat Esperanto damals den Platz 33, etwas vor der slovakischen, dänischen und litauischen Version.

2015

Der englischsprachige Esperanto-Kurs startet (Beta-Version) bei Duolingo. Nach einem Monat hat der Kurs schon mehr als 35 000 registrierte Lernende, nach drei Monaten 100 000 Lernende, nach sechs Monaten 200 000; täglich kommen 1000 weitere hinzu und ca. 30 Lernende beenden den Kurs (alle Übungen). Also ca. 10 000 in einem Jahr.

Weitere Informationen

Weiterlesen: Ausführliche Artikel zur Geschichte von Esperanto hat die Zeitschrift “La Ondo de Esperanto” zusammengestellt.

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