Was ist Esperanto?

Die internationale Sprache Esperanto ist gemeinsame zweite Sprache von Menschen in über 120 Ländern weltweit. Die Grundlagen dieser völkerverbindenden Sprache wurden 1887 von Ludwik Zamenhof in Warschau veröffentlicht. Seither hat sich Esperanto zu einer lebendigen Sprache mit einer aktiven Sprechergemeinschaft und einer eigenen Kultur entwickelt.

Esperanto ist relativ schnell erlernbar - etwa in einem Viertel der Zeit, die man für Sprachen wie Englisch oder Spanisch braucht. Die Grundzüge des Esperanto kann man in der Regel bei zwei oder drei Wochenendkursen lernen. Die Sprache hat eine einfach aufgebaute Struktur und sie ist regelmäßig.

Esperanto ist neutraler als andere Sprachen, weil es keinem Land einen besonderen Vorteil gegenüber anderen Ländern bietet.

Schnell erlernbar

Esperanto wurde mit der Idee geschaffen, möglichst schnell erlernbar zu sein. Deswegen hat Esperanto eine auf nur sechzehn Grundregeln basierende Grammatik. Es gibt keine unregelmäßigen Verben oder andere Dinge, die Sprachen oft so schwierig machen. Wie leicht Esperanto wirklich ist, hängt natürlich vom Einzelnen ab. Je mehr Vorkenntnisse man durch andere Fremdsprachen hat, desto leichter ist es. Umgekehrt kann Esperanto auch dabei helfen, Fremdsprachen allgemein besser zu verstehen und zu lernen, da man grammatische Prinzipien leichter durchschauen kann ohne von unregelmäßigen Formen verwirrt zu werden.

Wie schnell man Esperanto lernen kann, ist natürlich auch individuell unterschiedlich. Viele Esperanto-Lerner fangen schon nach zwanzig oder dreißig Lernstunden an, Esperanto in der Praxis zu benutzen, z. B. im Internet. Mit einem Fernkurs kann man in zehn bis fünfzehn Wochen Esperanto zumeist soweit lernen, dass man Zeitschriften oder Internet-Seiten in Esperanto lesen und E-Mails schreiben kann (bei täglich 15 bis 30 Minuten Lernzeit).

Neutraler als andere Sprachen

Esperanto gehört keinem Land, keinem Volk und keinem Kontinent. Man macht einen Schritt hin auf Menschen aus anderen Ländern. Jeder Sprecher verlässt seine eigene muttersprachliche Komfortzone und redet auf einer gemeinsamen Ebene mit anderen. Gleichzeitig betrachten die meisten langjährigen Esperanto-Sprecher die Sprache als Teil ihrer persönlichen Identität. Sie fühlt sich wie eine eigene Sprache an und ist einem oft vertrauter als andere Fremdsprachen. Außerdem beherrschen viele Sprecher Esperanto nach ein paar Jahren besser als die Sprachen, die sie vielleicht in der Schule gelernt haben. Dadurch fühlen sie sich sicherer und reden freier.

Die Wirkung der Vorherrschaft einer Nationalsprache wurde unter anderem 2005 von Prof. Grin untersucht, der für die französische Regierung die ökonomischen Folgen des Fremdsprachenunterrichts untersucht hat. Grin - der übrigens kein Esperanto spricht - legte dar, dass der flächendeckende Englisch-Unterricht Großbritannien jährlich finanzielle Vorteile in Höhe von 25 Mrd. EUR bringt. Umgekehrt müssen die anderen Länder entsprechend viel Zeit und Geld aufwenden, um Englisch zu lernen und zu verwenden.

Lebendige Sprache

Esperanto ist eine lebendige Sprache, die bei internationalen Treffen von Jugendlichen, Erwachsenen und Familien verwendet wird. Jährlich erscheinen rund 100 Bücher auf Esperanto. Es gibt regelmäßig erscheinende Zeitschriften und Esperanto-Musikgruppen, die auch bei youtube zu finden sind. Der Radiosender Muzaiko bietet ein laufendes Programm in Esperanto, mit Esperanto-Musik, Berichten und Interviews.

Esperanto-Kultur

Die Esperanto-Version der Wikipedia hat ähnlich viele Artikel wie die dänische, slowakische oder kroatische Version. Firefox, Linux-Desktops und OpenOffice lassen sich auf Esperanto installieren, die Suchmaschine Google und der Blogdienstleister ipernity bieten ihr Angebot auch auf Esperanto an. Die chinesische Regierung veröffentlicht täglich Nachrichten in zehn Sprachen, eine davon ist Esperanto. Auch das chinesische Radio informiert das Ausland in Esperanto, ebenso wie die Zeitschrift “El Popola Ĉinio”.

Wachstum der Esperanto-Sprachgemeinschaft

Nach verschiedenen Schätzungen sprechen heute einige hunderttausend Menschen weltweit die Sprache aktiv. Ein paar Millionen haben Esperanto gelernt. Esperanto verbreitet sich auch in Regionen wie Brasilien, Afrika, Nepal oder China. In den letzten hundert Jahren hat sich die Zahl der Esperanto-Sprecher etwa vertausendfacht. Zum Vergleich: Die Zahl der Englischsprecher hat in diesem Zeitraum etwa um das Zwanzigfache zugenommen.

Landesverbände Esperanto-Weltbund 1950-2015

Anzahl der Landesverbände des Esperanto-Weltbundes 1950-2015
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Dabei steht hinter der Verbreitung des Englischen eine deutlich stärkere Unterstützung als hinter der von Esperanto. Esperanto ist weitgehend auf das Engagement des Einzelnen angewiesen, der zusätzlich zu anderen Sprachen auch Esperanto lernt; manche engagieren sich auch, um Esperanto weiter bekannt zu machen.

Auch die Zahl der Esperanto-Muttersprachler nimmt zu. Die erste bekannte Esperanto-Muttersprachlerin wurde 1904 geboren. In den fünfziger Jahren ergab eine Untersuchung etwa 150 Kinder und Jugendliche, die mit Esperanto als Muttersprache aufwuchsen. Heute wird die Zahl der Esperanto-Muttersprachler auf tausend bis zweitausend geschätzt. Die zunehmende Zahl an Muttersprachlern zeigt, dass sich Esperanto mehr und mehr etabliert - schließlich spricht man mit seinen Kindern Esperanto vor allem dann, wenn man selbst die Sprache gut beherrscht und viele Esperanto-Freunde hat.

Mittlerweile gibt es auch etwa hundert Personen, für die Esperanto die Hauptsprache geworden ist, also diejenige Sprache, die sie mehr als ihre anderen Sprachen sprechen.

Esperanto und Englisch

Englisch ist für viele Zwecke geeignet und sicher ist es in sehr vielen Fällen sinnvoll Englisch zu lernen und zu sprechen. Esperanto ist demgegenüber deutlich leichter erlernbar als Englisch. Schüler benötigen viel weniger Zeit und haben viel schneller Lernerfolge, bei deutlich geringerem Aufwand. Zum anderen ist Esperanto eine Sprache, die keinem Land einen besonderen Vorteil gewährt, wie dies bei Englisch der Fall ist.

Trotz zehn Jahren Schulunterricht in Englisch und Kursen an Universitäten schaffen es nur wenige, ein hohes Niveau im Englischen zu erreichen. Gegenüber einem Muttersprachler des Englischen bleiben viele in Bezug auf das Ausdrucksvermögen, Redewendungen und grammatische Korrektheit unterlegen. Wer einen Text auf Englisch veröffentlichen möchte, braucht gewöhnlich einen Englisch-Muttersprachler, der den Text durchsieht. Welche Sprache Schüler lernen (müssen), war schon immer eine Frage der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Vorherrschaft von Ländern. Während es einst Latein, Französisch und Russisch waren, ist es heute Englisch. In 50 Jahren nimmt vielleicht Chinesisch diese Rolle ein.

Du kannst dir auch Videos über Esperanto anschauen:

Und das Wichtigste bei Esperanto ist sicher, wie so oft: Einfach mal ausprobieren! Zumindest zehn Minuten lang sollte man Esperanto lernen, um ein Gefühl davon zu bekommen, wie die Sprache aufgebaut ist: Lernu.net bietet einen ersten Einstieg.

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