Seit 115 Jahren: Esperanto als Muttersprache - Zum Tag der Muttersprache, 21. Februar

Veröffentlichungsdatum: 
Thursday, 31. January 2019
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Die internationale Sprache Esperanto ist bekannt als Beitrag zur Verständigung über Grenzen hinweg - eine Sprache, die nach Schätzungen ein paar Millionen Menschen als Jugendliche oder Erwachsene gelernt haben.

Darüber hinaus ist Esperanto auch als Muttersprache und Familiensprache in Gebrauch - seit nun 115 Jahren: Am 2. Juni 1904 wurde in Spanien das erste Mädchen geboren, von dem bekannt ist, dass Esperanto seine Muttersprache war - Emilia Gastón Burillo, Tochter des Esperanto-Pioniers Emilio Gastón aus Zaragoza (Aragón). Das war nur 17 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Esperanto-Lehrbuchs 1887 in Warschau.

Stetes Wachstum

Ein erster Bericht über Esperanto als Muttersprache erschien 1921; damals gab es wohl weniger als ein Dutzend Esperanto-Muttersprachler. 1957 ergab eine Umfrage unter esperantosprachigen Familien insgesamt 154 Muttersprachler in 19 Ländern. 1994 wurde die Zahl auf knapp 1000 Personen geschätzt - die Tendenz ist weiterhin steigend, jedes Jahr entschließen sich neue Esperanto-Elternpaare, mit ihren Kindern auch Esperanto zu sprechen.

Familientreffen und internationale Besuche

Esperanto wird heute vor allem deshalb an die Kinder weitergegeben, weil die Eltern viel Kontakt zu anderen Esperanto-Sprechern haben und dies auch ihren Kindern ermöglichen wollen. Sie fahren oft mehrmals im Jahr zu internationalen Esperanto-Veranstaltungen - da ist es sinnvoll, wenn auch die Kinder schon Esperanto sprechen und sich mit den anderen Kindern unterhalten können. Oft gibt es auch gegenseitige Besuche von Esperanto-Familien.

Außerdem fördert eine mehrsprachige Erziehung die Auffassungsgabe der Kinder und legt insbesondere eine gute Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen.

Esperanto ist eine lebende Sprache geworden

Für Esperanto hat die Entstehung einer muttersprachlichen Gemeinschaft große Bedeutung für den Status der Sprache - schließlich wird die Frage, ob eine Sprache lebt, gewöhnlich daran entschieden, ob die Sprache Muttersprachler hat. Wenn eine Sprache immer weniger weitergegeben wird und zum Schluss dann der letzte Sprecher oder die letzte Sprecherin stirbt, dann gilt die Sprache als ausgestorben.

Umgekehrt ist eine als Plansprache entstandene Sprache wie Esperanto als lebende Sprache anzusehen, wenn sie Muttersprachler hat - eine so große muttersprachliche Gemeinschaft, dass auch ausreichend Kontakte unter den heranwachsenden Kindern zu beobachten sind. Dazu tragen bei Esperanto insbesondere Familientreffen und gegenseitige Besuche bei, neben Kontakten per Mail, sozialen Netzen und Skype.

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Internet, Quellen

Emilia Gastón Burillo, * 1904
Vermutlich erste Esperanto-Muttersprachlerin

https://de.wikipedia.org/wiki/Emilia_Gast%C3%B3n

 

Studien zu Esperanto als Muttersprache (Auswahl)

- Butler, M.C. (1921). Infana Esperanto. Literaturo 12, October–December 1921.

- Renato Corsetti (1996). A Mother Tongue Spoken Mainly by Fathers. Language Problems and Language Planning 20: 263–273.
https://eric.ed.gov/?id=EJ541141">https://eric.ed.gov/?id=EJ541141

- Bergen, Benjamin K. (2001) Nativization processes in L1 Esperanto. Journal of Child Language 28: 575–595. http://www.cogsci.ucsd.edu/~bkbergen/papers/NEJCL.pdf

- Jouko Lindstedt (2006) Native Esperanto as a Test Case for Natural Language. A Man of Measure Festschrift in Honour of Fred Karlsson, pp. 47–55
http://www.linguistics.fi/julkaisut/SKY2006_1/1FK60.1.5.LINDSTEDT.pdf

- Sabine Fiedler (2008) Zur Rolle des Esperanto-Muttersprachlers innerhalb und außerhalb der Plansprachengemeinschaft. Beiträge der 17. Jahrestagung der Gesellschaft für Interlinguistik e.V., 23.-25. November 2007, in Berlin. Detlev Blanke (Hg.). Berlin
http://www.interlinguistik-gil.de/wb/media/beihefte/17/Fiedler_163-174.pdf

 

Informationen zu Esperanto

Presse-Informationen

http://esperantoland.org/presse/

Pressemitteilungen des Deutschen Esperanto-Bundes
https://www.esperanto.de/de/pressemitteilungen

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