Esperanto in der EU

Esperanto in der Europäischen Union

EU-Zukunftskonferenz 2021-22

Die Europäische Union berät im Rahmen der "Konferenz zur Zukunft Europas" seit Mai 2021 bis etwa April 2022 über ihre weitere Entwicklung. In einer ersten Phase haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Vorschläge einzubringen und die Vorschläge anderer zu unterstützen. Ab etwa September/Oktober wird es Bürgerforen zu verschiedenen Themenbereichen geben, später beraten Abgeordnete des EU-Parlaments und der nationalen Parlamente zusammen mit Vertretern der EU-Kommission und der Regierungen der Mitgliedstaaten über künftige Maßnahmen.

Esperanto in der Europäischen Union

In einer Reihe von Vorschlägen geht es auch um die internationale Sprache Esperanto und deren Nutzen für Europa unter verschiedenen Gesichtspunkten, u. a. Bildung, Demokratie sowie Werte und Rechte.

Der Welt-Esperantobund, die Europäische Esperanto-Union, der Deutsche Esperanto-Bund, der Verein EsperantoLand und viele andere Vereinigungen bitten darum, diese Vorschläge zu unterstützen; einige werden im Folgenden vorgestellt.

Ludwik Zamenhof hat uns die wundervolle Sprache Esperanto gegeben, die von Menschen in über hundert Ländern gesprochen wird – nehmen wir jetzt die Gelegenheit wahr, das Ansehen des Esperanto in der Öffentlichkeit zu fördern und seine Stellung in der Europäischen Union zu unterstützen.

Wo soll ich klicken?

Jede Stimme zählt!

Der Erfolg unserer Kampagne und die Wirkung der unterstützenden Stimmen misst sich hierbei nicht nur danach, ob unsere Vorschläge von den Gremien der EU-Konferenz angenommen werden; vielleicht sind da die Chancen eher gering.

Allerdings ist es für den Fortschritt und das Ansehen des Esperanto sehr notwendig, dass wir bei einer solchen Konferenz mit unseren Vorschlägen vertreten sind und dass wir auch eine akzeptable Zahl an Unterstützern finden können. Auf diese Seiten schauen Leute, die an Europa und internationaler Zusammenarbeit interessiert sind, gelegentlich auch Journalisten, Vertreter von Parteien und die Bürgerinnen und Bürger, die an den Bürgerkonferenzen teilnehmen werden. Vielleicht können wir auch den einen oder die andere für Esperanto interessieren – um so besser, je weiter oben in der Liste der Vorschläge wir zu finden sind.

Bisher haben es drei der Esperanto-Vorschläge geschafft, zwischen 200 und 350 Stimmen zu sammeln. Auch wenn das wenig klingt – der Vorschlag mit den meisten Stimmen überhaupt hatte Anfang September lediglich etwa 530 Stimmen. Wir haben daher eine gute Chance, mit vertretbarem Aufwand im Rahmen der EU sichtbar zu werden. Jede und jeder ist gefragt, die Esperanto-Vorschläge zu unterstützen sowie Freunde und Bekannte um Unterstützung zu bitten.

Geduld beim Anmelden ist nötig

Leider ist der Anmeldeprozess auf den Seiten der Europäischen Union recht kompliziert; außerdem dauert die Antwort der Seiten oft recht lang. Wir bitten sehr um Geduld und Ausdauer; vielleicht ist auch ein erneuter Versuch am folgenden Tag sinnvoll, möglichst zu Tagesrandzeiten (am frühen Morgen und sehr späten Abend klappt es häufig besser).

Wenn man die Anmeldung geschafft hat, ist der Rest eher leicht: Man kann beliebig viele Vorschläge unterstützen (muss sich aber bei jedem neuen Besuch kurz anmelden). Wir bitten um Unterstützung von zumindest je einem Esperanto-Vorschlag aus den folgenden vier Bereichen.

Werte und Rechte, Demokratie, Bildung, weitere Ideen

Im Bereich „Werte und Rechte“ fordert der Vorschlag

For objective, evidence-based information about Esperanto! Equal rights for Esperanto speakers!
(Für objektive, evidenz-basierte Information über Esperanto! Gleiche Rechte für Esperanto-Sprecher!)
https://futureu.europa.eu/processes/ValuesRights/f/12/proposals/41119

eine sachgerechte und objektive Information über Esperanto.

Leider hat die Europäische Kommission in der Vergangenheit oft unzutreffende und diffamierende Aussagen über Esperanto verbreitet, außerdem wurde Esperanto als geplante Sprache explizit von bestimmten Angeboten ausgeschlossen. Die Praxis der Kommission verstößt gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, https://www.europarl.europa.eu/charter/pdf/text_de.pdf , insbesondere Art. 20 – 22. Wir fordern ein Ende dieser Praxis und faire Information.

Dieser Vorschlag ist sehr wesentlich, da der EU-Kommission oft Glauben geschenkt wird und diese Ammenmärchen zu Esperanto von vielen für wahr gehalten werden (etwa über das angebliche Nicht-Existieren der nun mehr als hundert Jahre alten internationalen Esperanto-Kultur).

(Viele Vorschläge sind auf Englisch veröffentlicht; eine automatische Übersetzung ist auf den EU-Seiten verfügbar.)

 

Im Bereich „Demokratie“ weist der Vorschlag

Better language skills – better democracy. English and Esperanto!
(Bessere Sprachenkenntnisse – bessere Demokratie. Englisch und Esperanto!)
https://futureu.europa.eu/processes/Democracy/f/6/proposals/44420

auf die in der EU sehr ungleich verteilten Sprachkenntnisse im Englischen hin: In den Niederlanden, Dänemark und Schweden sprechen 86 bis 90 % der Bevölkerung Englisch (laut der Befragung Eurobarometer 386, 2012). In neun EU-Staaten beherrschen hingegen lediglich 20 bis 34 % der Bürgerinnen und Bürger ausreichend Englisch, um sich unterhalten zu können: Portugal, Spanien, Italien, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.
https://jakubmarian.com/map-of-the-percentage-of-people-speaking-english-in-the-eu-by-country/
Wenn also in der EU an vielen Stellen nur Englisch genutzt wird und wenn die Debatten vor allem auf Englisch geführt werden, dann tritt das auf, was in der wissenschaftlichen Literatur gelegentlich als „sprachliche Entmündigung“ („linguistic disenfranchisement“) bezeichnet wird. Von einer gleichberechtigten Demokratie kann keine Rede mehr sein.

Zum Teil dürfte die unterschiedlich verbreitete Sprachbeherrschung des Englischen auf den teils recht großen sprachlichen Abstand – die nötige Zeit für das Erlernen des Englischen – zurückzuführen sein: Spanier, Polen oder Ungarn brauchen weit mehr Zeit um Englisch zu erlernen als Niederländer. Bei Esperanto ist dieser Unterschied weit geringer, die Sprachenwelt wird dadurch erheblich gerechter.

 

Im Bereich „Bildung“ plädiert der Vorschlag

The EU needs improved language learning
(Die EU braucht ein besseres Sprachenlernen)
https://futureu.europa.eu/processes/Education/f/36/proposals/23893

dafür, Schulkinder zunächst in Esperanto zu unterrichten, bevor andere Sprachen wie Englisch unterrichtet werden. Der vergleichsweise rasche Erfolg bei Esperanto führt dann dazu, dass die Schulkinder schneller eine zweite Fremdsprache lernen, wie sich im Rahmen eines EU-Projekts in mehreren Ländern gezeigt hat.

Dieser Vorschlag wird von der Europäischen Esperanto-Union und von der Europa-Kommission des Esperanto-Weltbunds besonders unterstützt. Er zählt zu den stimmenmäßig erfolgreichsten Pro-Esperanto-Vorschlägen und liegt im Themenbereich "Bildung" auf dem ersten Platz.

Gleichen Inhalts (aber nicht wörtlich übersetzt) ist der deutschsprachige Vorschlag:
Sprachenvielfalt in der EU: Reichtum oder Problem? Das Ziel: Fremdsprachen besser und schneller lernen.
https://futureu.europa.eu/processes/Education/f/36/proposals/91312


Ebenfalls im Bereich „Bildung“ schlägt

A lesson about Esperanto for the schoolchildren of the European Union
(Eine Schulstunde über Esperanto für die Schulkinder der Europäischen Union)
https://futureu.europa.eu/processes/Education/f/36/proposals/39238

vor, dass alle Schülerinnen und Schüler in der EU zumindest eine Schulstunde über Esperanto erhalten sollen.

Das Projekt „Eine Schulstunde für Esperanto“ wird u. a. vom Esperanto-Lehrerverband und vom Esperanto-Weltbund unterstützt.

 

Im Themenbereich "Weitere Ideen"

liegen derzeit zwei Esperanto-Vorschläge an der Spitze. Der Vorschlag

Esperanto, a common and neutral language, designed to be easy to learn. A new tool for a more united European Union
(Esperanto, eine gemeinsame und neutrale Sprache, leicht zu lernen. Ein neues Werkzeug für eine stärker geeinte Europäische Union)

https://futureu.europa.eu/processes/OtherIdeas/f/8/proposals/5399

befürwortet allgemein den Esperanto-Unterricht in den Schulen der EU.

 

Der Vorschlag

Official recognition of Esperanto as one of the languages of EU citizens
(Offizielle Anerkennung des Esperanto als eine der Sprachen der EU-Bürger)
https://futureu.europa.eu/processes/OtherIdeas/f/8/proposals/17955

regt an, dass die EU die sprachliche Wirklichkeit des Esperanto zur Kenntnis nimmt und Esperanto als eine der Sprachen der EU-Bürgerinnen und -Bürger anerkennt. Bisher fehlt Esperanto leider oft, wenn die Sprachensituation der EU dargestellt wird.

 

Ein großer Dank an alle, die schon bisher die verschiedenen Esperanto-Vorschläge bei der EU-Zukunftskonferenz unterstützt haben! Schön, wenn noch viele weitere Esperanto-Sprecherinnen und -Sprecher diese Kampagne unterstützen.

Vielleicht ist ja auch möglich, Familie, Freunde und Bekannte zu einer Unterstützung zu motivieren. Danke schon jetzt!