Warum verbreitet sich Esperanto? 96. Deutscher Esperanto-Kongress über Pfingsten in Neumünster

Veröffentlichungsdatum: 
Dienstag, 4. Juni 2019
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Fremdsprachen zu lernen erfordert viel Zeit. Kann man das nicht einfacher und schneller machen?, fragte sich Ludwik Zamenhof schon als Schüler in Bialystok (Polen) in den 1870-er Jahren. Vor allem aus den Sprachen Latein, Französisch, Englisch und Deutsch mit ein wenig Polnisch und Russisch stellte Zamenhof eine neue Sprache zusammen, die er 1887 in Warschau veröffentlichte: Die internationale Sprache Esperanto.

Schnell zu lernen

Esperanto ist regelmäßig aufgebaut und hat nur sehr wenige einfache Regeln. Es ist daher in etwa einem Viertel der Zeit zu lernen, die man für Sprachen wie Englisch oder Spanisch braucht. Viele Esperanto-Lernerinnen und Lerner fangen schon nach 20 bis 30 Lernstunden an, Esperanto in der Praxis zu verwenden - im Internet bei Facebook und in anderen sozialen Netzen, bei örtlichen Esperanto-Gruppen oder bei internationalen Esperanto-Veranstaltungen.

Esperanto-Sprecher weltweit

Mittlerweile gibt es Esperanto-Sprecher in über 120 Ländern weltweit. China veröffentlicht tägliche Nachrichten in Esperanto, auf esperanto.china.org.cn. Kroatien und Polen haben Esperanto als Kulturerbe anerkannt. In Ungarn kann man Esperanto wählen, um an der Hochschule Fremdsprachenkenntnisse nachzuweisen, dort haben seit 2001 mehr als 38.000 Personen eine staatlich anerkannte Esperanto-Prüfung abgelegt.

Jedes Jahr 800.000 neue Esperanto-Lerner

Bei dem Sprachenanbieter Duolingo (duolingo.com) fangen jährlich mehr als 800.000 Lerner mit Esperanto an. Esperanto ist sehr attraktiv, weil man mit geringem Aufwand mit Menschen aus vielen Ländern sprechen kann - oft als Ergänzung zu Englisch oder anderen Sprachen. Außerdem ist Esperanto eine regelmäßige Sprache und man erreicht daher mit gleichem Aufwand ein höheres Sprachniveau.

Über Pfingsten:
96. Deutscher Esperanto-Kongress in Neumünster

Auch in Deutschland wird Esperanto gesprochen, schon seit über hundert Jahren. Alljährlich findet der Deutsche Esperanto-Kongress statt, in diesem Jahr vom 7. bis zum 10. Juni 2019 in Neumünster. Veranstaltungsort für den 96. Deutschen Esperanto-Kongress ist das "Kiek in!". Angemeldet sind bisher 118 Esperanto-Sprecherinnen und -Sprecher aus Deutschland sowie Dänemark, Irland, Niederlande, Frankreich, Portugal, Schweiz, Slowakei und aus dem afrikanischen Benin. Bei dem Kongress ist Esperanto die gemeinsame Sprache.

Kongressthema "Indigene Sprachen"

Hauptthema des Kongresses sind "Indigene Sprachen" anlässlich des Unesco-Jahres hierzu. Der Kongress ist Teil des offiziellen Unesco-Programmes zum Jahr der indigenen Sprachen.
https://en.iyil2019.org/events/96-deutscher-esperanto-kongress/
Es werden eine Reihe von Vorträgen angeboten, u. a. über kleinere europäische Sprachen wie das Irische, das Sorbische und das Okzitanische. Am Sonntagabend, 9. Juni, wird der Esperanto-Sänger und Gitarrist JoMo (Jean-Marie Leclerq) aus Toulouse ein Konzert in Esperanto geben.

Darüber hinaus stehen Vorträge zu einer Vielfalt anderer Themen auf dem Programm, eine Stadtführung, ein Rundgang um den Einfelder See sowie Ausflüge nach Hamburg und Lübeck per Bahn.

Vortrag in der Volkshochschule Neumünster:
Weltsprache Esperanto

Die Volkshochschule Neumünster bietet am Donnerstag, 6. Juni, von 18.00 bis 19.30 einen Vortrag mit Fragen zum Thema "Weltsprache Esperanto" an.
https://vhs-neumuenster.de/versteckte-seiten/kurssuche/kurs/Weltsprache-Esperanto/nr/BN40001V/bereich/details/

Mehr Veranstaltungshinweise auf
https://www.esperanto.de/de/enhavo/gazetaro/artikoloj/veranstaltungshinweise-96-deutscher-esperanto-kongress-neum%C3%BCnster
und
https://city-nms.de/events/veranstaltungskalender.html?dfxid=11396

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Esperanto: Muttersprache seit 1904

Die internationale Sprache Esperanto gibt es seit über 130 Jahren. Nachdem der Augenarzt Ludwik Zamenhof 1887 die Grundzüge des Esperanto in Warschau veröffentlicht hatte, gründete sich schon zwei Jahre später eine internationale Zeitschrift mit etwa 500 Abonnenten. Das erste Kind, das mit Esperanto als Muttersprache aufwuchs, wurde im Juni 1904 geboren; heute gibt es etwa 1000 bis 2000 Esperanto-Muttersprachler und Esperanto ist eine lebende Sprache geworden. Auch der Vorsitzende des Deutschen Esperanto-Bundes, Botschafter a. D. Ulrich Brandenburg, ist Esperanto-Muttersprachler.

Mehrere Millionen Esperanto-Sprecher

Man schätzt, dass weltweit ein paar Millionen Menschen Esperanto gelernt haben und ein paar hunderttausend die Sprache regelmäßig sprechen. Es gibt sogar etwa hundert Menschen, für die Esperanto die Hauptsprache geworden ist, die sie mehr benutzen als ihre anderen Sprachen.

800.000 neue Esperanto-Lerner pro Jahr bei Duolingo

Esperanto hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr auf der ganzen Welt verbreitet. Mittlerweile gibt es Esperanto-Sprecher auch in Nikaragua, Burundi, Nepal, Indonesien oder auf den Philippinen. Im Internet ist Esperanto im Programm vieler Dutzend Sprachanbieter zu finden. Bei Duolingo werden Esperanto-Sprachkurse in drei Sprachen angeboten (Englisch, Spanisch und Portugiesisch); jährlich beginnen alleine dort etwa 800.000 Lerner mit Esperanto; etwa 40.000 von ihnen schließen den Kurs alljährlich ab.

Anerkennung durch Vatikan, PEN-Club, China, Ungarn, Polen, Kroatien...

In den letzten Jahrzehnten hat sich Esperanto zunehmend etabliert. Der Vatikan hat Esperanto 1990 als liturgische Sprache anerkannt. 1993 hat der PEN-Club der Schriftsteller das Esperanto-PEN-Zentum aufgenommen. In Ungarn wurde Esperanto im Jahr 2000 als wählbare Sprache für den Fremdsprachen-Nachweis an Universitäten zugelassen; seit 2001 haben dort über 35.000 Personen eine staatlich anerkannte Esperanto-Prüfung abgelegt. China veröffentlicht seit 2001 täglich Nachrichten in Esperanto, http://esperanto.china.org.cn/ .

Google Translate mit Esperanto

In Posen (Polen) gibt es die Möglichkeit Interlinguistik und Esperantologie zu studieren; in Amsterdam gibt es einen Esperanto-Lehrstuhl. Seit 2008 gibt es eine Esperanto-Version des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Google Translate bietet Esperanto-Übersetzungen seit 2012. Polen hat Esperanto „als Träger der Esperanto-Kultur“ im Jahr 2014 auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt. Seit 2017 erscheint der Unesco-Kurier auch in Esperanto, finanziert von der chinesischen Regierung. Im Februar 2019 hat auch Kroatien die Esperanto-Tradition als immaterielles Kulturgut anerkannt.

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Nachbemerkung:
Mythos und Wirklichkeit

Vielleicht erscheint das eine oder andere dieser Beschreibung neu oder steht in Widerspruch zu bisherigen Informationen über Esperanto und seine Sprechergemeinschaft. Das ist denkbar. Leider sind eine Reihe von Irrtümern über Esperanto in Umlauf.

Populäre Irrtümer über Esperanto

http://esperantoland.org/dosieroj/PopulaereIrrtuemerUeberEsperanto__EsperantoLand.pdf

In den vergangenen Jahrzehnten wurden von Sprachwissenschaftlern in der Öffentlichkeit bedauerlicherweise eine Vielzahl von unzutreffenden Aussagen zu Esperanto gemacht. Einige dieser Aussagen werden vorgestellt in:

Zum Bild des Esperanto aus der Sicht einiger Sprachwissenschaftler.
Über verschiedene unzutreffende Aussagen zu Esperanto und seiner Sprachgemeinschaft

http://www.interlinguistik-gil.de/wb/media/beihefte/JGI2018/JGI2018-Wunsch.pdf

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Deutscher Esperanto-Kongress 2019
https://www.esperanto.de/de/enhavo/programm-4

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Quellen
(weitere Quellen gerne auf Anfrage)

Etwa 2 Millionen Esperanto-Sprecher, 1000 Muttersprachler
https://www.ethnologue.com/language/epo

Artikel über Esperanto-Muttersprachler
https://eo.wikipedia.org/wiki/Denaskaj_Esperanto-parolantoj#Literaturo_pri_denaskuloj_(inkl._de_scienca)

Erste Esperanto-Muttersprachlerin
Emilia Gastón
https://de.wikipedia.org/wiki/Emilia_Gast%C3%B3n

Esperanto-Sprachkurse bei Duolingo
https://www.duolingo.com/courses/en
https://www.duolingo.com/courses/es
https://www.duolingo.com/courses/pt

Vatikan
Ulrich Matthias. Esperanto - la Nova Latino de la Eklezio. Flandra Esperanto-Ligo, Antwerpen 2001

Esperanto-PEN-Zentrum
https://www.pen-international.org/centres/esperanto-centre/

Ungarn: Anerkennung als lebende Sprache, 2004
http://www.esperantoland.org/de/plu.php?msgid=1211

Ungarn: Esperanto-Prüfungen
https://eo.wikipedia.org/wiki/Statistiko_de_Esperantujo#Hungario (Tabelle)
Auch, nur 2009-2018: https://nyak.oh.gov.hu/doc/statisztika.asp?strId=_43_

China: Tägliche Nachrichten
http://esperanto.china.org.cn/

Interlinguistik (bes. Esperantologie) in Posen, Polen
http://interl.amu.edu.pl/interlingvistiko/studojen.html

Interlinguistik und Esperanto in Amsterdam
http://www.uva.nl/en/profile/g/o/f.gobbo/f.gobbo.html

Europäischer Referenzrahmen für Sprachen in Esperanto
https://edukado.net/upload/enhavo/dosieroj/ker_printebla.pdf

Google Translate: Esperanto
https://translate.google.com/#view=home&op=translate&sl=auto&tl=en&text=Saluton

Polen: Esperanto "als Träger der Esperanto-Kultur"
auf Liste des immateriellen Kulturerbes
http://niematerialne.nid.pl/Dziedzictwo_niematerialne/Krajowa_inwentaryzacja/Krajowa_lista_NDK/

Unesco-Kurier in Esperanto
Beispiel-Nr. Okt. - Dez. 2017
https://en.unesco.org/sites/default/files/esperanto-kuriero-20171211-reta.pdf

Kroatien: Esperanto als immaterielles Kulturgut anerkannt
http://www.esperantoland.org/de/plu.php?msgid=1231

Lernmaterial für Esperanto
https://eo.wikipedia.org/wiki/Listo_de_ofertataj_Esperanto-lerniloj

Schulversuche über die raschere Erlernbarkeit des Esperanto
http://www.interlinguistik-gil.de/wb/media/beihefte/JGI2018/JGI2018-Wunsch.pdf
S. 185 - 187

Esperanto-Musik. Statistik Esperanto-Musikalben
https://eo.wikipedia.org/w/index.php?title=Esperanto-muzikalbumoj&stable=1#Statistiko_pri_jare_aperintaj_albumoj
youtube https://www.youtube.com/results?search_query=Esperanto+Musik

Esperanto-Wikipedia
https://eo.wikipedia.org
Statistik https://meta.wikimedia.org/wiki/List_of_Wikipedias#100_000.2B_articles
Internationale Verteilung der Wikipedia-Mitarbeiter
im Vergleich mit anderen Sprachen

https://stats.wikimedia.org/wikimedia/squids/SquidReportPageEditsPerLanguageBreakdown.htm#Esperanto

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Louis von Wunsch-Rolshoven
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