Geschichte der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen

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Neben der Deutschen Esperanto-Bibliothek in Aalen findet man große Esperanto-Bibliotheken in London, Wien, Sofia, La Chaux-de-Fonds sowie bei Esperanto-Weltbund UEA in Rotterdam. Weitere bemerkenswerte Sammlungen in Deutschland findet man bei der Bayerischen Staatsbibliothek in München sowie in den Universitätsbibliotheken Köln, München, Saarbrücken und Frankfurt/M. Die umfangreichste Sammlung liegt jedoch sicherlich in Aalen vor: als die Bibliothek des Deutschen Esperanto-Instituts.

Geschichte

Die erste offizielle Esperanto-Bibliotheke in Deutschland war die Bibliothek des Sächsischen Esperanto-Instituts, das Dr. Albert Schramm im August 1908 gründete. Im Jahr 1913 verlegten Institut und Bibliothek ihren Sitz nach Leipzig.

Nach dem Ersten Weltkrieg änderte man den Namen des Instituts in „Esperanto-Institut für das Deutsche Reich“. Seinerzeit war Dr. Johannes Dietterle sein Direktor. Als man Ende 1936 nach dem Verbot des Deutschen Esperanto-Bunds auch das Institut schliessen musste, war man froh, dass die Preussische Staatsbibliothek in Berlin die mehr als 3 000 bibliografischen Einheiten übernahm. So haben sie zwar die Bücherverbrennungen der Nazis überlebt, aber dort liegen sie bis heute, und es gibt wohl kaum eine Chance auf Rückgabe.

Als man nach dem Zweiten Weltkrieg am 9. Januar 1948 das Deutsche Esperanto-Institut neu gründete, formierte sich aus den eingehenden Geschenken ausländischer Organisationen und der deutschen Esperantisten ein bescheidener Grundstein für eine neue Bibliothek. Man übernahm damals vollständig auch die privaten Bibliotheken von Dr. Siegfried Ziegler (München), Dr. Leo Blaas (Innsbruck), Felix Epstein (Hamburg) und Hans Rausch (Köln). Als jedoch 1953 der Direktor des Deutschen Esperanto-Institutes, Siegfried Ziegler, von seinem Amt zurücktrat, musste man die Bibliothek schliessen und deponierte ihren Bestand in Schachteln, die man auf diverse Münchener Keller verteilte.

Ende 1967 gab der Deutsche Esperanto-Bund neue Impulse zur Wiederbelebung des Deutschen Esperanto-Instituts, die dann auch zur erneuten Einrichtung einer Bibliothek führten. Glücklicherweise fand sich damals Pfarrer Adolf Burkhardt bereit, diese Aufgabe anzugehen, und so begann seine jahrzehntelange mühselige Kleinarbeit mit dem Ordnen und Klassifizieren von Materialien, die unsortiert und nur teilweise beschriftet (es waren 185 kg Bücher und 17 Kartons mit Broschüren und Zeitschriften) am 3. November 1967 in seinem Pfarrhaus in Gechingen aus München angeliefert wurden.

Unter Mithilfe von Reinhard Haupenthal wurde das Material gesichtet und dann entschieden, dass für die Klassifizierung die Dezimalklassifikation verwendet werden sollte, jedoch in der durch Montagu Christie Butler für die Britische Esperanto-Bibliothek modifizierten Form. So verwenden wir heute aus rein praktischen Erwägungen heraus die folgenden Zusatzzeichen (die man auch einfach als Abkürzungen einer kompletten Klassifizierung betrachten kann):
 

 A    afiŝoj — Plakate    TAS    trovebla ankaŭ sub ... — siehe auch unter ...
 AR    arkivaĵoj — Archivalien    TB    (son-) bendoj — Tonbänder
 E    Esperanto    TC    kompaktdiskoj — CD
 F    fakaj gazetoj — Fachzeitschriften    TD    (son-) diskoj — Schallplatten
 G    movadaj gazetoj — Esperanto-Zeitschriften    TK    (son-) kasedoj — (Musik-)Kassetten
 L    literatur-gazetoj — Literaturzeitschriften    TS    softvaro, diskedoj, Software — Programme
 LB    el la biblioteko de Leo Blaas —
 aus der Bibliothek Leo Blaas
   TV    video-bendoj kaj -kasedoj —
 Videokassetten
 P    aliaj planlingvoj — andere Plansprachen    X    titoloj kun aŭtografoj — signierte Ausgaben

Der seit 1968 wachsende Zettelkatalog befindet sich bereits ab dem Jahre 1977 immer auf aktuellem Stand, und er erleichtert aufgrund des Dezimalsystems Kontakte mit anderen Bibliotheken.

Ab 1972 befand sich dann die Bibliothek in Adolf Burkhardts Pfarrhaus in Bissingen/Teck, das glücklicherweise über genügend Raum verfügte. Diese Dienstwohnung war aber nach seiner Pensionierung nicht weiter verfügbar, so dass man ab 1989 nach einer (möglichst dauerhaften) Bleibe für die Bibliothek suchen musste. Dank der Bemühungen der Aalener Esperanto-Gruppe unter Karl Heinz Schaeffer und maßgeblicher Mithilfe von Rainer Heckhausen und Stadtbibliothekar Jürgen Betzmann fand man diese im Torhaus Aalen, in den Räumen der Stadtbibliothek Aalen. Wesentlich für die positive Entscheidung der Stadt Aalen zugunsten unserer Bibliothek war unter anderem auch der modellhaft gute Zustand der bibliografischen Einheiten und des Zettelkatalogs, beides die Verdienste Adolf Burkhardts.

Seither befindet sich die Bibliothek in den Räumen der Stadt Aalen als Dauerleihgabe des Deutschen Esperanto-Institutes. Der Vertrag mit der Stadt Aalen enthielt als Morgengabe die Beschaffung einer angemessen großen Kompaktusanlage und die Zusicherung eines jährlichen Anschaffungs-Etats.

Der Umzug erfolgte im November 1989 mit tatkräfiger Unterstützung der örtlichen Esperanto-Gruppe, und der Bestand umfasste damals bereits mehr als 10 000 Titel. Die Neueröffnung fand dann am Zamenhoftag (15.12.) des Jahres 1989 statt. Gleichzeitig konnte bei dieser Gelegenheit auch ein gedruckter Katalog des Bestands bis 1985 veröffentlicht werden,da schon in den Jahren zuvor Martin Weichert mit Unterstützung von Hilfskräften begonnen hatte, den Zettelkatalog in eine DBase-Datenbank einzugeben und auf dieser Basis die gedruckte Katalogausgabe vorzubereiten.

Rückblick und Ausblick: -> eigene Seite mit Übersicht zur Bestandsgeschichte

Bibliografie: -> eigene Seite kleine Bibliografie zur Deutschen Esperanto-Bibliothek

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