"Wer spricht Esperanto?" wissenschaftlich untersuchen

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Es gibt relativ wenige wissenschaftliche Untersuchung zur Frage "Wer spricht Esperanto?" Die letzte in Deutschland durchgeführte Umfrage stammt aus dem Jahr 1992. Die Ergebnisse wurden als Buch veröffentlicht (Frank Stocker. Wer spricht Esperanto? Eine Analyse der Esperanto-Bewegung in Deutschland unter soziodemographischen, verbandspolitischen und soziokulturellen Aspekten). Aber was kam danach?

Es ist viel passiert...

In den mehr als zwanzig Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich viel verändert. Das Internet ist unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags geworden, auch Esperanto wird von vielen Leuten im Internet gelernt und verwendet. Die Bedeutung von Vereinen und Parteien ist gesunken, auch der Deutsche Esperanto-Bund hat einen Mitgliederschwund erlebt. Es ist höchste Zeit, eine neue Untersuchung zur Frage "Wer spricht Esperanto?" anzustellen. Diese könnte zum Beispiel im Rahmen einer Studienarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Diplomarbeit geschehen.

Was kann untersucht werden?

Die genaue Formulierung der Forschungsfragen hängt stark von persönlichen Interessen und Betreuer ab. Wir halten es für ratsam, an die Arbeit von (Stocker 1996) anzuknüpfen und dessen Fragebogen zumindest teilweise wiederzuverwenden. Um den Aufwand zu begrenzen, um eine repräsentative Stichprobe zu erhalten und um eine klar abgegrenzte Gruppe zu untersuchen, empfiehlt es sich, die Frage "Wer spricht Esperanto?" auf Deutschland zu begrenzen. Darüberhinaus könnten folgende Fragestellungen durch zu formulierende Fragen untersucht werden:

  • Welchen Einfluss hat das Internet auf Information über, Lernen und Anwenden von Esperanto?
  • Welche Rolle spielt die organisierte Esperanto-Bewegung heute für Information, Unterricht und Anwendung von Esperanto?
  • Welche Erwartungen haben die Esperanto-Sprecher an die Esperanto-Verbände?
  • ...

Wie kann die Frage untersucht werden?

Während Stocker 1992 noch papierne Umfragebögen verschicken musste, kann heute eine Kombination aus Online-Umfrage und Papierumfrage verwendet werden. Der D.E.B. kann dafür eine Installation des Umfragewerkzeugs Limesurvey zur Verfügung stellen. Um die Qualität des Fragebogens und der untersuchten Hypothesen zu erhöhen, könnte die geplante Umfrage vor Veröffentlichung auf der jährlich Ende November stattfindenden Konferenz der Gesellschaft für Interlinguistik vorgestellt und diskutiert werden (nur Mut!), sofern dies zeitlich dem oder der Durchführenden passt. Diese Konferenz wäre auch eine geeignete Plattform, um die Ergebnisse vorzustellen. Um die Rücklaufquote zu erhöhen, empfiehlt es sich, neben der netzbasierten Umfrage auch persönlich Leute auf Esperanto-Treffen anzusprechen und zur Teilnahme an der Umfrage zu ermuntern.

Gibt es einen Zeitplan?

Nein, einen Zeitplan gibt es nicht. Die Aufgabenstellung ist sozusagen unbefristet gültig. Ideal wäre ein Ablauf, der eine oder zwei Konferenzen der Gesellschaft für Interlinguistik einbeziehen kann, die zahlreichen Esperanto-Treffen um den Jahreswechsel mit Hilfe von Delegation, Aushang oder persönlich zum Bekanntmachen der Umfrage nutzt und möglichst viel Zeit für die Beantwortung der Umfrage lässt.

Welche Vorkenntnisse sind nötig?

Das Projekt eignet sich nicht nur für Studierende mit einem Hintergrund in Politikwissenschaften, Soziologie, Psychologie, Geschichte, sondern prinzipiell für alle, die bereit sind, sich mit Grundlagen der Statistik, der Erstellung eines Fragebogens und der Esperanto-Bewegung in Deutschland wissenschaftlich zu befassen.

Esperanto-Sprachkenntnisse sind für die Durchführung der Umfrage und Sichtung der Literatur sicherlich kein Nachteil, jedoch nicht zwingend erforderlich. Zudem können sie leicht im Rahmen des Projekts erworben werden, zum Beispiel in unserem Fernkurs.

Gliederung der Aufgabenstellung

Die Aufgabe lässt sich in mehrere Teile gliedern, die unterschiedliche Qualifikationen erfordern und möglicherweise auch von verschiedenen Leuten gemeinschaftlich durchgeführt werden können.

  1. Sichtung bestehender Literatur
  2. Entwicklung von Hypothesen
  3. Entwicklung eines Fragebogens
  4. Test des Fragebogens
  5. Durchführung der Umfrage
  6. Auswertung des Fragebogens

Welchen Beitrag kann der D.E.B. leisten?

  • Analyse und Hinterfragen der entwickelten Hypothesen
  • Überprüfung des Fragebogens vor Versand
  • Bereitstellung einer Umfrageseite im Internet mit Limesurvey
  • Wiederholte Information aller Mitglieder des D.E.B. über den Fragebogen
  • Wiederholte Information aller registrierten Nutzer der Internetplattform lernu! über den Fragebogen
  • Veröffentlichung der Ergebnisse in der Schriftenreihe des Deutschen Esperanto-Instituts

Ansprechpartner im D.E.B. für dieses Projekt ist Felix Zesch.

Literatur zum Einstieg

Becker, Ulrich (Red.): Soziokulturelle Aspekte von Plansprachen. Beiträge der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Interlinguistik e.V., 7.-9. November 1997 in Berlin

Blanke, Detlev: Interlinguistik und Esperantologie: Wege zur Fachliteratur, erschienen in Esperanto-Dokumente 7. Bamberg, Deutsches Esperanto-Institut, 2003, 58 S.

Stocker, Frank: Wer spricht Esperanto? Eine Analyse der Esperanto-Bewegung in Deutschland unter soziodemographischen, verbandspolitischen und soziokulturellen Aspekten. Lincom Europa 1996, 150 S.

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