Esperanto ist eine “gefährliche Sprache"
-
Vom Beginn seiner Existenz an war Esperanto Diktatoren und Gewaltherrschern
ein Dorn im Auge.
- Schon ein Jahr nach Entstehung des Esperanto, 1888, lehnte die russische Zensur
die Herausgabe einer Wochenzeitung für die Esperanto-Sprecher ab. 1895
wurde sogar die Einfuhr von Esperanto-Literatur verboten.
-
In der Sowjetunion wurde Esperanto ab 1930 zunehmend unterdrückt,
ab 1937/38 wurden Esperanto-Sprecher gezielt verhaftet, nach Sibirien verbannt
oder hingerichtet. Wegen ihrer internationalen Beziehungen waren sie verdächtig.
-
In Nazi-Deutschland wurden durch einen Erlaß Himmlers vom 20. Juni
1936 alle Esperanto-Verbände aufgefordert, sich bis zum 15. Juli selbst
aufzulösen, wenn sie vermeiden wollten, zwangsaufgelöst zu werden.
In der Begründung hieß es, daß “Esperanto den wesentlichen
Wert völkischer Eigenheiten” schwäche. Hintergrund: Hitler hatte
bereits in “Mein Kampf” geschrieben: “Solange der Jude nicht der Herr der
anderen Völker geworden ist, muß er wohl oder übel deren
Sprache sprechen, sobald diese jedoch seine Knechte wären, hätten
sie alle eine Universalsprache (z.B. Esperanto!) zu lernen, so daß
auch durch dieses Mittel das Judentum sie leichter beherrschen könnte!”
In der rechtsradikalen Wochenzeitschrift “Der Reichswart” hieß es
1926: “Diese Mißgeburt einer Sprache, ohne Wurzel im Leben eines
Volkes und ohne jedes aus diesem Leben hervorgegangenen Schrifttum, ist
im Begriff, die Weltstellung, welche ihr nach zionistischem Plane zukommen
soll, wirklich zu errringen und in den künftigen Arbeitssklaven Zions
die Vaterlandsliebe ausrotten zu helfen!”
-
In der DDR wurden 1949 durch ein Dekret der “Deutschen Verwaltung des Inneren
in der SBZ” alle Esperanto-Gruppen verboten. Erst 1965 wurde dieses Verbot
wieder aufgehoben. Ähnlich war die Situation in anderen Ostblockstaaten.
Weiterführende Informationen in: Ulrich Lins, Die gefährliche Sprache
- Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin, Gerlingen (Bleicher)
1988.