Partizipien (Mittelwörter) sind spezielle Adjektive, daher endet ihre Grundform auf -a.
Beispiel: skrib/ant/a 'schreibend'
Die Wurzel (im Beispiel skrib-) ist immer verbal, gibt
also eine Handlung, ein Geschehen oder (seltener) einen Zustand an.
(Im Folgenden ist immer nur von "Handlung" die Rede; man muss aber
"bzw. Geschehen oder Zustand" immer stillschweigend ergänzen.)
Das System der Partizipien im Esperanto ist einfach und symmetrisch aufgebaut, aber reicher als im Deutschen.
Analog zu den Verbformen auf -as, -is und -os
gibt es im Esperanto
Präsens (Handlung verläuft soeben):
Präteritum (Handlung liegt zeitlich zurück):
Futur (Handlung steht in naher oder ferner Zukunft bevor):
Präsens (Handlung verläuft soeben):
Präteritum (Handlung liegt zeitlich zurück):
Futur (Handlung steht in naher oder ferner Zukunft bevor):
(Man sieht, dass die meisten deutschen Übersetzungen kein korrektes Deutsch sind, sondern nur wörtliche Wiedergaben. Sie mussten deshalb in Klammern gesetzt werden.)
Hinweis:
Das hier beschriebene System der Partizipien folgt der grammatischen Schule
des sog. "Tempismus", der die Bedeutung von -a-, -i- und
-o- unterschiedslos, ob in Verbformen oder in Partizipien, als rein zeitlich ansieht.
Dem gegenüber steht der
sog. "Aspektismus", der in einigen, insbesondere in passivischen Partizipien auch noch
Aktionsarten ("Aspekte") wie "Vollendung", "Dauer", usw. wiedergegeben sehen will.
Für
Einzelheiten sei auf die umfangreiche Literatur verwiesen.
Wie bei allen Adjektiven lassen sich auch aus der adjektivischen Grundform der Partizipien die entsprechenden Adverbformen einfach durch Austausch von -a zu -e regelmäßig ableiten:
Analog leitet man Substantive auf -o ab.
Diese stellen
sexusneutrale Personenbezeichnungen dar!
Das Benennen von Einwohnern und Ländern bereitet naturgemäß Schwierigkeiten, denn man benötigt Wörter, die einerseits nach Aussprache und Schreibweise normale Esperantowörter sind, andererseits als Namen aber eben nicht zum Esperanto gehören und deshalb möglichst wenig verändert werden sollen.
Zudem besteht bei der unabsehbaren Fülle der Namen auch noch die Gefahr, dass die benötigte Wortwurzel schon "besetzt" ist.
Beispiel: kubo 'Würfel' oder 'Kuba'.
Um beide Bedeutungen wenigstens im Schriftlichen unterscheiden zu können, schreibt man im Esperanto deshalb Namen groß, aber auch damit ist das Problem nicht ganz gelöst (siehe den Abschnitt Namen in der Grammatik zu Lektion 1).
In diesem Lehrwerk werden die Namen von Ländern und Einwohnern sowie von ihnen abgeleitete Wortformen groß geschrieben.
Wie schon im Lektionsteil beschrieben, gibt es zwei Gruppen für Länder-
und Einwohnernamen, die einen Benennungskompromiss für Namen
allgemein widerspiegeln.
Die zwei Gruppen ergeben sich durch zwei verschiedene Ableitungsregeln.
Es gibt eine kleine Gruppe von Ländernamen, die aus einer Pluralform oder mehreren Wörtern bestehen, die nicht in dieses einfache System passen.
Ferner führen diejenigen Namen, deren Wortwurzel auf eine
unabtrennbare
Silbe -land endet, leicht zu Verwirrung.
Dazu gehören Irland/o, Island/o, Nederland/o und einige andere.
Denn als alternative Formen zu den Ländernamen auf -uj-
sind auch die entsprechenden auf -land- zugelassen,
also statt nur Skot/uj/o auch Skot/land/o,
statt nur Svis/uj/o auch Svis/land/o
usw. Einige dieser Formen auf -land/o sind sogar
gebräuchlicher als die -uj/o-Formen, vor allem
Skot/land/o, Svis/land/o, Pol/land/o, Dan/land/o.
Man muss sich also sorgfältig einprägen, ob in solchen Namensformen
der Teil -land- zur Wortwurzel gehört oder nicht, sonst leitet man den Einwohnernamen falsch ab: Es gibt eben keine "Nederoj"
oder "Iroj".
Ein ähnliches, aber häufigeres Problem ist, dass das Suffix -uj- in
zunehmendem Maße einfach durch ein -i- ersetzt wird.
Bei Ländernamen der Gruppe 2, deren Wurzel auf -i endet, gibt es dann ebenfalls das Problem, dass man nicht mehr weiß, wie der
Einwohnername zu bilden ist.
Weil Lehr- und teilweise auch Wörterbücher die
ujo-Formen der Ländernamen inzwischen sogar verschweigen, kann man immer mehr Fehler bei Einwohnernamen beobachten.
Eine kleine Selbstkontrolle hier mag das Problem eindrucksvoll verdeutlichen. Versuchen Sie, aus den Ländernamen von Übung 4.3 dieser Lektion, die Einwohnernamen abzuleiten, wenn anstatt der ujo-Formen generell die entsprechenden io-Varianten geschrieben werden.
Hier die transformierte Liste:
Peruo, Belgio, Bulgario, Bosnio, Albanio, Aŭstrio, Svisio, Aŭstralio, Rusio, Ukrainio, Argentino, Irano, Hungario, Tanzanio, Finnio, Islando, Ĉinio, Alĝerio, Kameruno, Japanio, Ĉilio, Portugalio, Koreio.Leiten Sie nun für die vorstehenden Ländernamen den jeweiligen Einwohnernamen ab.
Da Sie die meisten Namen noch nicht sicher kennen, hatten Sie erhebliche Schwierigkeiten, nicht wahr? Sie mussten nämlich wissen, wann das -i- aus dem io-Endteil zur Wortwurzel gehörte und wann nicht.
Da sind die ujo-Formen überlegen, denn sie machen die Struktur des Ländernamens deutlich.
Deshalb werden in diesem Lehrwerk durchgängig die traditionellen ujo-Formen verwendet.
Die Buchstaben des Alphabets werden im Esperanto wie folgt ausgesprochen:
Die Vokale (Selbstlaute) bleiben unverändert, an die Konsonanten (Mitlaute) wird einheitlich "o" angehängt:
Also:
a, bo, co, ĉo, do, e, fo, go, ĝo, ho, ĥo, i, jo, ĵo, ko, lo,
mo, no, o, po, ro, so, ŝo, to, u, ŭo, vo, zo
Beispiel:
"Zamenhof" buchstabiert man also im Esperanto: "zo, a, mo, e, no, ho, o, fo".
Entsprechend lauten die Buchstabennamen.
Die Einheitlichkeit der Konsonantenendung "o" ist in der Praxis, zum Beispiel beim Buchstabieren am Telefon, sehr nachteilig, weil man die Laute kaum auseinander halten kann. Deshalb wurde schon ein alternatives Buchstabieralphabet vorgeschlagen, das eine der sehr wenigen einwandfreien graduellen Verbesserungen des Esperanto darstellen würde.
Was sind Maßangaben? Woran erkennt man sie?
Dafür gibt es folgenden hübschen Merkspruch:
"Wie hoch, wie tief, wie lang, wie breit",
"wie oft" und auch "wie weit",
"wie lange" und "wie alt",
als Maßangab' behalt!
Na, das können wir doch auch schon auf Esperanto (wenn auch nicht so schön rhythmisch und gereimt):
"Kiel alta, kiel profunda, kiel longa, kiel larĝa",
"kiom ofte" kaj ankaŭ "kiel for",
"kiel longe" kaj "kiel aĝa",
kiel indikojn de mezuro memoru!
Maßangaben, die freie Satzattribute (Beifügungen) sind, werden im Esperanto durch die Endung -n gekennzeichnet, also genau wie ein Objekt im Satz oder eine Richtungsangabe. Die Markierung -n zeigt nämlich eigentlich allgemein an, dass dieser Satzteil nicht das Subjekt ist.
(Im Deutschen - und im Lateinischen - gilt dieselbe Regel für Maßangaben, daher auch der hübsche Merkspruch, dessen vierte Zeile für Deutsch und Latein "... im 4. Fall behalt!" lautet.)
"Wie oft" wird im Esperanto meist mit kiom ofte und nicht mit
kiel ofte wiedergegeben.
Auch die Antwort auf
Kiom kostas ...? 'Wie viel kostet ... ?' ist eine Maßangabe.
Achtung:
Maßangaben können aber auch mal Subjekt
oder prädikative Ergänzung (nach estas) sein!
Dann steht die Maßangabe natürlich in der Grundform.
Der obige Merkspruch ist in diesen Fällen aber auch nicht anwendbar.
Zeitangaben werden als Satzattribute
ebenfalls durch die Markierung -n angezeigt.
Es gibt aber noch zwei Alternativen, nämlich durch eine
Präposition oder manchmal auch durch die Markierung
-e als Satzadverb.
Mit den Präpositionen kann man Zeitdauer und Zeitpunkt unterscheiden:
"la 3an" bedeutet ohne weitere Zusätze also "am dritten Tag / am Dritten", aber "je la 3a" ohne Zusätze "um drei Uhr".
Die Verwendung der Suffixe (Nachsilben) <-ig-> und <-iĝ-> bietet bei der Wortbildung so viele Möglichkeiten, dass dieses Thema hier in der Grammatik anstatt im Wörterbuch behandelt wird.
Man merke sich zunächst die grundsätzlichen Bedeutungen
der beiden Suffixe:
-igi bedeutet "tun", "machen", "veranlassen";
-iĝi
bedeutet: "... werden, in einen anderen Zustand übergehen",
Die zahlreichen und verschiedenartigen Wortbildungen mit den beiden Suffixen lernt man leicht an Beispielen. Dazu werden diese in gleichartige Gruppen zusammengefasst.
Hier muss man schon etwas genauer hinsehen. Es gibt hier Untergruppen, je nach Art des Verbs, die man am besten mit Hilfe der Begriffe "transitiv" und "intransitiv" unterscheidet.
Verben (Tätigkeitswörter), die auf -igi enden, können (müssen aber nicht alle) ein Objekt haben; man nennt solche Verben transitiv.
Verben, die auf -iĝi enden, können nie ein Objekt haben; man nennt solche Verben intransitiv.
Im Esperanto kann ein Verbstamm transitive
oder intransitive Bedeutung haben.
Leider muss man zu der Vokabel
hinzulernen, ob ein neues Verb transitiv oder intransitiv ist.
Das fällt anfangs nicht leicht, weil Deutsch (wie viele andere Sprachen)
den Unterschied oft nicht verdeutlicht:
"Ich rolle den Ball." Mit Objekt => rollen (transitiv)
"Der Ball rollt auf der Straße." Ohne Objekt, da der Ball selbst rollt => rollen
(intransitiv)
Es gibt aber auch eine Menge von deutschen Verben, bei denen der Unterschied an der äußeren Form kenntlich ist:
Man sieht, dass das Deutsche verschiedene Methoden der Unterscheidung verwendet: Wechsel des Vokals, von Konsonanten, Verwendung von Vorsilben, reflexive Form mit "sich" usw.
Im Esperanto bildet man aus transitiven Verben die intransitive Version durch Verwendung von -iĝ-, umgekehrt aus intransitiven Verben die transitive Version durch Verwendung von -ig-. Das ist regelmäßig und nach etwas Eingewöhnung deshalb auch nicht schwer.
Wer bis hierhin alles verstanden hat, dem darf man gratulieren.
Dennoch gibt es noch weitere, allerdings weniger wichtige und (außer 2.3)
nicht zu empfehlende Möglichkeiten.
Wer nicht speziell an Grammatik interessiert ist, kann ohnehin den folgenden Rest dieses Grammatikkapitels getrost auch ganz überschlagen.
-iĝ- hinter intransitiven Verben hat die Bedeutung:
"Beginn der Handlung", ist also gleichbedeutend mit ek-.
Man sollte zur besseren Verständlichkeit die Verwendung von
ek- vorziehen.
Gelegentlich sieht man im Zuge der Ausbreitung des Gebrauchs von
-iĝi dieses Suffix auch schon
hinter
transitiven Verben in der Bedeutung des Handlungsbeginns.
finiĝi (siehe 2.1) könnte dann bedeuten:
- enden (intransitiv, normale Bedeutung)
- das Ende einleiten; beginnen, Schluss zu machen (transitiv, bislang noch falscher Gebrauch)
Damit
wäre das Suffix kein Marker für "intransitiv" mehr, Esperanto
verlöre mit solchem Sprachwandel hier seine Klarheit und damit einen entscheidenden Vorteil.
An den obigen Beispielen hat man schon gesehen, dass -iĝi
auch für eine reflexive Verbform stehen kann, also anstatt
sin -i.
Obwohl diese Verwendung traditionell ist, sollte man sie vermeiden,
weil sie für Unklarheiten sorgen kann.
Von der reflexiven Verwendung ist es nicht mehr weit bis zum Passiv, zumal
man dann dem Problem der Partizipien ("Tempismus" gegen
"Aspektismus") ausweichen kann. Deswegen greift es um sich, den Satz 'Der Vorstand wurde gewählt.' mit
La estraro elektiĝis.
anstatt mit La estraro estis elektita/elektata.
wiederzugeben.
Li pagiĝis könnte dann bedeuten:
- "Er begann zu zahlen."
- "Er bezahlte sich."
- "Er wurde bezahlt."
Man sieht, dass man die Verwendung von -iĝi
für Passivformen auf jeden Fall vermeiden sollte.