X-Accent-Convention: cx, ux
Du hast schon mal einen Espi mit Leuchten in den Augen von einem "Ißo" reden hören und konntest das nicht einorden? Sie/Er war aber in diesem Zustand der seligen Erinnerung nicht ansprechbar, und Du konntest nicht fragen? Den Grund dafür erklärt Dir jetzt diese

"Landeskunde" für Esperanto-Einsteiger:

Die coolste Silvesterfete für junge "Espis"


Die dauert nicht nur eine Nacht sondern eine ganze Woche! "Offizieller Titel" dieser Veranstaltung der Deutschen Esperanto-Jugend ist "Internacia Seminario", kurz IS. Das lesen Eingeweihte nicht "I-es", sondern "Ißo", weil beim Buchstabieren auf Esperanto an Mitlaute immer ein o angehängt wird. Das IS findet jedes Jahr vom 27. Dezember bis zum dritten Januar an einem anderen Ort in Deutschland statt - 1997/98 zum 41. Mal, und zwar in Traben-Trabach an der Mosel.

Jedes Jahr hat das Treffen ein Thema, das mit fachkundigen Referenten zum Beispiel in Arbeitsgruppen und Vorträgen behandelt wird, diesesmal "Gesellschaft und Medien". Da gibt es doch eine Menge aktueller Entwicklungen zu diskutieren, oder?

Neben diesem "tema programo" wird ein reiches "distra programo" angeboten. Dazu gehören immer Esperantokurse und meistens ein ganztägiger Ausflug in die Umgebung. Was dazukommt, hängt von denen ab, die Lust haben Programmpunkte zu gestalten. Beliebt sind unter anderem verschiedene Tanzkurse - mal Standard, mal meditativ, mal Folklore-, Spiele, Gymnastik und Diashows mit Bildern von den letzten Treffen. Oft gibt es auch Vorträge, die nicht das Thema betreffen oder jemand bringt Interessierten seine Muttersprache näher oder unterrichtet z.B. Jonglieren oder Selbstverteidigung oder bietet eine Bastelgruppe an oder.....

Beim "vespera programo" gibt es einige Traditionen, nämlich den Kennenlernabend, das Neujahrskonzert und als Abschlußabend (Schnief!) den "internacia vespero" mit Beiträgen der Teilnehmer. Auch an den übrigen Abenden ist zum Beispiel mit musikalischen Darbietungen oder Theateraufführungen für Unterhaltung gesorgt. Wenn das offizielle Abendprogramm vorbei ist, fängt die Nacht richtig an! Die kann man beispielsweise im "trinkejo" mit alten und neuen Freunden quatschend oder im "teejo" gemütlich und rauchfrei Tee schlürfend verbringen. Auch durchtanzen kommt in Frage, denn die Disco läuft fast bis zum Frühstück. (Naja, einige schlafen auch nachts.) Es gilt:

IS-Nächte: sind sie zu lang, bist Du zu schwach.


Die wichtigste Tradition ist jedoch der "silvestra balo". Der Abend wird mit einem Buffet eröffet. Während Gelegenheit besteht, das Tanzbein zu schwingen, stoßen zu jeder vollen Stunde Teilnehmer aus anderen Zeitzonen auf den Jahreswechsel in ihrer Heimat an. Wenn es endlich Mitternacht wird, ist der Tumult nicht mehr zu übertreffen. Daß einem so viele Leute so herzlich ein glückliches neus Jahr wünschen, ist anderswo sicher selten.

Kein Wunder also, daß das IS jährlich mehrere Hundert junge Espis aus meist über 20 Ländern anlockt. Wenn Du Dir das ultimative Silvestertreffen nicht entgehen lassen möchtest, schau nochmal in die Gej-Gazeto 2/97. Dort erschien schon das unua informilo (inform-il-o) mit aligxilo (al-igx-il-o, das heißt Anmeldung). Wenn Du noch Schwierigkeiten hast es zu verstehen, würde ich Dir empfehlen, bis etwa Mitte September weiterzulernen und es dann nochmal zu versuchen oder einen erfahreneren Espi zu fragen. Mitte September, weil zu diesem Zeitpunkt Deine "antauxpago" (Anzahlung) noch eine Chance hat, bis zum ersten Oktober auf dem Konto von GEJ zu sein und Du somit in der günstigsten Anmeldekategorie landest.

Noch ein paar Tips zum informilo: "Memzorgantoj" schlafen in einer Turnhalle, Schule oder ähnlichem und sorgen selbst für Ihre Mahlzeiten - für viele die günstigste Art, teilzunehmen, für andere eine Art Glaubensbekenntnis, weil im "memzorgantejo" eine ganz besondere Stimmung aufkommt. Dafür muß man zur Jugendherberge, wo das Programm stattfindet, meist ein gutes Stück laufen. Für "plena kotizo" bekommt man Vollpension in der Jugendherberge. In beiden Kategorien sind das Programm und der Silvesterball eingeschlossen, für Ausflüge muß eventuell ein kleiner Obulus extra entrichtet werden.

So, sehen wir uns im Dezember?

Dorothea Hüfler

(aus: GEJ-Gazeto 3/97)


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