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Esperanto wurde von Dr. Lazarus Ludwig Zamenhof, einem Augenarzt jüdischer Abstammung in Warschau, entworfen und 1887 mit einem Lehrbuch vorgestellt. Esperanto hieß eigentlich nur "Lingvo Internacia" (Internationale Sprache); "Esperanto" (ein Hoffender) war das Pseudonym Zamenhofs, mit dem man aber bald seine Sprache selbst bezeichnete.
Zamenhof (1859-1917) wuchs in Bialystok im heutigen Polen (damals russisches Protektorat) auf. In dieser Stadt lebten Juden, Polen, Russen, Deutsche und Litauer - und zwar alle getrennt voneinander. Die Atmosphäre war ständig von Hass und Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen geprägt. Zu einem Kontakt kam es nicht, weil alle ihre eigene Sprache hatten. In dieser Zeit kam Zamenhof die Idee zu einer neutralen Zweitsprache, die die sprachlichen Barrieren überwinden und zur Verständigung der verschiedenen Vöker führen sollte.
Natürlich haben verschiedene Menschen verschiedene Ziele, die sie mit dem Gebrauch des Esperanto verfolgen. Das Haupt-Ziel des Initiators Ludwig Zamenhof war es (und es ist auch heute noch weithin Konsens in der Esperanto-Bewegung), das Verständigungsproblem in der Welt zu lösen und ein Mittel für die Völkerverständigung bereitzustellen.
Esperanto ist leichter erlernbar als andere Fremdsprachen und es ist neutral, d.h. niemandes Muttersprache. Esperanto soll die Muttersprachen nicht verdrängen, sondern sorgt für deren Gleichstellung und Erhaltung. Niemand soll bevorzugt oder benachteiligt werden. Esperantosprecher wenden sich so gegen die Unterdrückung sprachlicher und kultureller Minderheiten und die gezielte Ausnutzung sprachlicher und kultureller Einflüsse für politische oder wirtschaftliche Machtinteressen ("Sprachimperialismus"). Esperanto kann Zweitsprache für alle sein.
Als globales Ziel, sicher... wie der Fall des Eisernen Vorhangs.
Auf dem 1. Esperanto-Weltkongreß 1905 kam man zu folgender Übereinkunft: "Esperantist ist jeder, der die Sprache Esperanto beherrscht und gebraucht, ganz gleich, für welche Zwecke er sie nutzt." Weiter wurde erneut bestätigt, daß Esperanto "niemandes Eigentum" ist.
Mit dem Lehrbuch von Zamenhof haben bald viele Menschen Esperanto gelernt. Zunächst waren es vor allem Russen (die mit Esperanto humanistische Ideen verbanden) und Franzosen (die den praktischen Gebrauch hervorhoben), unter ihnen viele Jugendliche, die sich trotz des überall blühenden Nationalismus für die neue Sprache engagierten. Weiter faßte die Esperantobewegung früh Fuß u.a. in Deutschland, Schweden, Japan, in der Donaumonarchie, China und Brasilien. 1905 fand in Boulogne-sur-Mer (Frankreich) der erste Esperanto-Weltkongreß statt, wo die Sprache das erste Mal im großen Rahmen angewandt wurde und ihre Bewährungsprobe als gesprochene Sprache bestand. Mit der Zeit entstanden unabhängige Institutionen wie die Akademio de Esperanto, 1908 der Welt-Esperantobund und 1938 die Welt-Esperantojugend. Bis 1914 gab es bereits in fast allen Teilen der Welt Esperantosprecher.
Nach dem Krieg wurde die Bewegung schnell wieder stark. In der Weimarer Republik wurde die sie in Deutschland vor allem von Arbeitern getragen und während des Dritten Reiches wegen ihrer Bestreben hin zur internationalen Völkerverständigung verboten.
1945 war die Esperanto-Gemeinschaft deutlich geschwächt, viele Esperantisten waren im KZ umgekommen. Nach dem Krieg wurden jedoch die Esperanto-Verbände in Westeuropa wiedergegründet und, nach einer Phase der Verfolgung unter Stalin, auch in Osteuropa Esperanto-Aktivitäten wieder zugelassen. Besonders seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nahm die Zahl der Esperantosprechenden zu.
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ergaben sich völlig neue Kontaktmöglichkeiten für die Verbände in Ost und West. Die beiden vorher getrennten deutschen Verbände GEA und GDREA wurden vereinigt. Heute sind die großen Schwierigkeiten der Esperantofreunde in Mittel- und Osteuropa eher wirtschaftlicher Natur. Auch Chinesen tragen seit c.a. 1900 bedeutend zur Esperantobewegung bei. Seit den 50er und 60er Jahren wächst ebenfalls die Zahl der Esperantosprecher in der Dritten Welt.
Der grüne (fünfzackige) Esperantostern wurde schon vom Esperanto-Initiator
Zamenhof selbst als Erkennungszeichen benutzt. Manche Esperantofreunde weisen
sich mit ihm als Esperantisten aus, indem sie ihn (etwa an einer Anstecknadel)
tragen. Auch in der Esperantofahne ist er wiederzufinden.
Für viele Menschen aber ist ein solcher Stern mit negativen Assoziationen behaftet, weil er (allerdings in anderen Farben) auch von verschiedenen politischen Bewegungen benutzt wird.
Um die politische Neutralität von Esperanto zu verdeutlichen, sind
viele Esperantosprecher (und -organisationen) dazu übergegangen, statt
des Sterns das Jubiläumszeichen zu verwenden.
Dieses Zeichen ist 1987 anläßlich des 100-jährigen Bestehens
erschienen und wird häufig wegen seiner Form auch als "Esperanto-Ei"
bezeichnet.
Dieses neue Zeichen wirkt freundlicher und kann auch im Sinne der Esperantobewegung gedeutet werden: Die beiden großen "E" stehen für Esperanto, die Form erinnert an Weltkarten in Atlanten und daher an seine weltweite Verbreitung.
Letzte Änderung: 2004-12-24