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In den dreißiger Jahren wurden alle Esperanto-Organisationen verboten. Daher war nach dem Krieg ein Neuanfang nötig.
Die erste Internationale Woche (IS) fand sechs Jahre nach der Vereinsgründung in Mainz mit dem Thema “Kulturelle, politische und wirtschaftliche Fragen der europäischen Einigung” statt. Mit verschiedenen Themen wurde sie seitdem jedes Jahr wiederholt, mehr Informationen dazu liefert die vollständige Liste aller IS-Orte und Themen auf Esperanto. In den späten 70ern begann die DEJ ein Programm zu organisieren, das es jungen Deutschen aus der BRD ermöglichte, hinter den eisernen Vorhang nach Polen zu fahren, wobei diese sogar vom obligatorischen Devisenumtausch befreit wurden. Generell neigt man bei der Lektüre von Dokumenten aus dieser Zeit zu der Ansicht, dass in der DEJ der siebziger und achtziger Jahre deutlich mehr über politisches Engagement abseits von Sprachenfragen diskutiert wurde als heute.
Forum dafür wurde vor allem die Vereinszeitschrift “GEJ-gazeto”, die 1979 von Thomas Bormann und anderen gegründet wurde. Der Name war zunächst ein Arbeitstitel, zusammengesetzt aus der Esperantosprachigen Abkürzung des Vereins (“Germana Esperanto-Junularo”) und dem Wort “gazeto” - Zeitung – er hielt sich aber sehr lange. Ein ausführliches Interview mit ihm erschien in der Mitgliedszeitschrift “Kune” 4/2004.
“Kune” und “GEJ-gazeto” - hat der Verein jetzt zwei Zeitschriften? Nein. Die GEJ-gazeto hat aufgrund der Ähnlichkeit von “gej” zum englischen Wort “gay” (schwul) (und dem entsprechenden Esperanto-Wort "geja") oft Missverständnisse innerhalb und außerhalb der Esperanto-Welt ausgelöst und wurde deswegen 1999 nach einer Idee von Gunnar R. Fischer und Till Schönberner umbenannt in “Kune”, was soviel heißt wie “gemeinsam”.
1985 erschien das Lehrbuch “Tesi, la testudo”, dass seitdem in unzähligen Kursen eingesetzt wurde.
Ab 1965 war es in der DDR Esperantosprechern erlaubt, sich in einem Dachverband, dem späteren “Kulturbund der DDR” zu organisieren.
Seit 1968 koordinierte eine Jugendkommission Aktivitäten junger Esperantisten. Sie unterhielt Kontakte zur FDJ und wirkte seit 1971 im Esperanto-Weltjugendverband TEJO mit. Aus ihr entwickelte sich 1990 die selbständige "Esperanto-Jugend (DDR)", die sich im Dezember gleichen Jahres mit der Deutschen Esperanto-Jugend vereinigte.
Die Arbeit mit Kindern wurde durch eine Kommission koordiniert, die u.a. von 1981-1989 zehn Kindertreffen organisierte.
Nach der Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der DEJ. Die vormals geteilte Welt erschien nun greifbarer. Die Erfolge auf dem Gebiet der internationalen Jugendarbeit belohnte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1993 mit einer Anerkennung der DEJ als Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 KJHG. Mit Mitteln aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes konnte die DEJ fortan ihr Angebot für Mitglieder erweitern und verbessern.
Umzüge der Bundesgeschäftsstelle geschahen in den 90ern sehr häufig. Nach der Vereinigung der beiden Esperanto-Jugenden gab es zunächst eine Zeit lang zwei Geschäftsstellen in Bonn und Berlin. Seit 1994 ging es komplett nach Berlin, wo man von Unter den Linden über die Chausseestraße und Grellstraße eine Bleibe im Esperanto-Haus in der Einbecker Straße fand, die nun allem Anschein nach länger halten wird.
Die rasche Verbreitung des Internets nutzte die DEJ 1996 mit dem Erwerb der
Domain esperanto.de, die seitdem zusammen mit dem Deutschen
Esperanto-Bund betrieben wird. Seit 2003 sind die neuen Ausgaben der Kune
auch vollständig im Internet lesbar. Alle bisher erschienenen Exemplare
liegen in unserer Bundesgeschäftsstelle im Archiv
zum Schmökern bereit.
Weiterlesen: Ausführliche Artikel zur Geschichte von Esperanto hat die Zeitschrift “La Ondo de Esperanto” zusammengestellt.
1945, nach einem Jahrzehnt des Verbots, erblühte Esperanto wieder und zog auch junge Menschen an, die eine Jugendabteilung im DEB bildeten. Sie organisierten u. a. ein großes Treffen in Kochel, direkt nach dem UK 1951 in München.
Uns jungen Aktiven war klar, dass ein selbstständiger Jugendverband (eingebunden in den allgemeinen Verband) mehr Möglichkeiten hat, auf Esperanto aufmerksam zu machen. Auf örtlicher Ebene konnten wir in offiziellen Institutionen wie den Stadtjugendringen mitarbeiten und etwaige Vorteile wie kostenlose Gruppenräume nutzen. Auch auf Landesebene konnten wir mitmischen. Und die Selbstständigkeit als echter Jugendverband eröffnete uns auch den Zugang zu finanzieller Unterstützung vom Staat.
Damals waren Studenten der Universität Freiburg der aktive Kern der DEJ. 1952 reisten der Vorsitzende und die Kassiererin der DEJ von Freiburg in die Hauptstadt Bonn. Sie erhielten die gewünschte Hilfe. Aber als sie eine Erstattung ihrer Fahrtkosten beantragten, protestierte ein Mitglied des DEB-Vorstandes - vor allem weil ein Mann und eine Frau gemeinsam gereist waren (die später heirateten). Eine erste Spannung zwischen DEB und DEJ.
Ein Verband, der öffentliche Mittel beantragten wollte, musste in allen Bundesländern vertreten sein. Der DEJ-Vorstand versucht also, überall genügend Mitglieder nachzuweisen. Das Zentrum der DEJ befand sich im damaligen Bundesland Südbaden, ich hingegen in Flensburg, denkbar weit entfernt. So weit zu fahren, war damals nicht üblich, also lief der Kontakt per Post. Trotzdem gelang es uns, dass die DEJ bundesweit vertreten war. Eine wichtige Veranstaltung der DEJ war schon damals das IS. Die Vorträge hielten erfahrene Fachleute; die jungen Leute waren nur Zuhörer. Ein häufiger Redner war Prof. Lapenna. (Ich hielt meinen ersten Vortrag mit 31 Jahren, 1962 in Rüsselsheim.) Erst später durften die jungen Leute selber Vorträge halten.
Es gab viele Kontakte von DEJ-Mitgliedern mit den Nachbarverbänden, was bei einem Esperanto-Verband selbstverständlich ist. Aber die DDR war für uns vollkommen unerreichbar. Auch die Aufnahme des DDR-Esperanto-Verbandes in den Welt-Esperanto-Bund UEA 1977 änderte daran wenig. Nur unter Wissenschaftlern war ein wenig Kontakt möglich, unter jungen Leuten nicht. Die Wiedervereinigung brachte auch die Verschmelzung der Esperanto-Verbände mit sich.
Dr. Werner Bormann, im DEB seit 1949, bis 1953 im DEJ-Vorstand
verfasst im Juni 2004
Esperanto-Gruppen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Sowjetischen Besatzungszone wiedererstanden waren, wurden 1949 auf Grund eines Dekretes der "Deutschen Verwaltung des Inneren in der SBZ" verboten. Die Bemühungen ostdeutscher Esperantisten um eine Wiederzulassung organisierter Tätigkeit für und mit Esperanto führten erst 1965 (31. März) zur Gründung des "Zentralen Arbeitskreises der Esperanto-Freunde im Deutschen Kulturbund" (ZAKE), der 1981 in den "Esperanto-Verband im Kulturbund der DDR" umgewandelt wurde (gebräuchliche Esperanto-Abkürzung: GDREA). Vorsitzende des ZAKE bzw. von GDREA waren Rudi Graetz (1965-77), Rudolf Hahlbohm (1977-81), Hans Heinel (1981-89) und Dr. Ronald Lötzsch (1989-zur Vereinigung mit dem DEB im Mai 1991).
Sekretäre von ZAKE/GDREA waren Eugen Menger (1965-67), Raimund Knapp (1967-68), Detlev Blanke (1968-90) und Ulrich Becker (1990-91). GDREA verfügte über eigene Büroräume, ein Budget sowie hauptamtliche Mitarbeiter. Zu den Hauptergebnissen der Arbeit der Esperantisten der DDR:
Beschränkungen staatlicherseits (Reisebeschränkungen, Valutamangel, Einfuhrbeschränkungen, wenig "Westbeziehungen") und eine (zwar abnehmende, doch regional immer wieder auftauchende) unterschiedlich ausgeprägte Reserviertheit staatlicher Stellen dem Esperanto gegenüber engten die Betätigungsmöglichkeiten des Verbandes ein. Dennoch erschloß GDREA vielen Interessenten wertvolle internationale Beziehungen außerhalb offizieller Kanäle und konnte erreichen, daß die internationale Sprache in der DDR ein relativ hohes gesellschaftliches Ansehen genoß.
Am 19.5. 1991 vereinigte sich GDREA auf dem 69. Deutschen Esperanto-Kongreß in München mit dem Deutschen Esperanto-Bund.
(Zur Geschichte von GDREA vgl. genauer "der esperantist" 164).
Dr.sc. Detlev Blanke
Letzte Änderung: 2011-02-13