Ĉar mulo vi estas!

Es sollte mein erstes mehrtätiges Treffen mit Esperantisten werden. Die Fahrt zum “Festo” nach Baugé in Frankreich war geplant und mein Freund und ich waren voller Vorfreude. Bei mir mischte sich in diese “Urlaubsstimmung” noch etwas Nervosität, da ich keine Ahnung hatte, was mich dort erwartete. Ich war Esperanto-Anfängerin, mein Wissen basierte auf der Lektüre von “Tesi, la Testudo” und wurde vorher noch nie praktisch angewendet.

Nach der achtstündigen Autoreise, bei welcher wir an den Mautstellen seltsamerweise fast mehr spanische Euros als französische zurück bekamen, erreichten wir endlich unser Ziel: Das Schloss Grésillon! Es wird ausschließlich für Esperanto Veranstaltungen genutzt. Dort trudelten im Laufe des Abends die anderen Teilnehmer des Festo ein: Ungefähr 25 Franzosen, 5 Deutsche (was meine Hoffnung nährte, nicht volle 5 Tage schweigend, wenn auch verstehend, an der Seite meines Freundes zu fristen), 2 Niederländer und ein Amerikaner bevölkerten das renovierte Schloss aus dem letzen Jahrhundert.

Am nächsten Morgen, nachdem wir uns am Abend zuvor alle bekannt gemacht hatten, ging unser Programm auch schon los. Ganz in der Nähe des Schlosses befindet sich ein Dolmen (Steintisch aus der Jung- oder Bronzezeit) auf dem es erst mal ein Picknick gab. Während verschiedener Spiele (Schnitzeljagd) erkundeten wir die Umgebung (die dann auch so Überraschungen wie sehr große Nacktschnecken, gelbe Spinnen und des nächtens Fledermäuse zu bieten hatte).

Ewig skeptischen Jugendherbergsbesuchern sei gesagt, dass sich der Spruch “Essen wie Gott in Frankreich” in der Woche bewahrheitet hat, unsere Köchin Thérésa servierte uns als kulinarischen Höhepunkt sogar ein Spanferkel! Dieses spielt übrigens eine herausragende in dem in dieser Woche selbstgedrehten Film “Murdo en la Kastelo”

Masaĝo Als weitere Programmpunkte gab es eine Reihe von Vorträge von Georges Kersaudy, der Bücher in über 50 Sprachen übersetzt hat. Er erklärte die Entwicklung verschiedener Sprachen und brachte uns die griechische und russische Sprache näher. Private Geschichten über sein reichhaltiges Leben in über 35 europäischen Städten und über seine ausgefallensten Haustiere (sogar eine Schlange, ein Affe und ein Tier, dessen Namen leider mir leider keiner übersetzten konnte, einig waren wir uns, dass es sich durch Stärke, lange Krallen und struppiges Aussehen charakterisierte) fanden wir besonders unterhaltsam.

Üblicherweise verbrachten wir die Abende trinkend im Trinkejo, spielend im Gufujo oder tanzend in der Diskoteko. Am Dienstagabend fand aber was besonders statt: Das Konzert von Jomo!!! Als Alleinunterhalter schmiss er sich ins Zeug und riss uns von den Stühlen, dass Alles tanzte. Das Ganze gipfelte im weltberühmten “La Bambo”.

Zwar war bei dem Bürgermeisterbesuch in Baugé doch “nur” sein Stellvertreter zu sprechen, da der Bürgermeister gerade seinen deutschen Kollegen in der Partnerstadt Kelsterbach besuchte. Unter dem Fokus der Journalisten besiegelten wir dann mit Sekt und leckerem Gebäck die deutsch-französische Esperanto-Freundschaft.

Im Zuge der deutsch-französischen Freundschaft hat man versucht, uns “Jouer aŭ boules” beizubringen. Die Spielfläche ist ungefähr ähnlich einer deutschen Kegelbahn, nur gewölbt und dass das Spiel dann viiel laangsamer vonstatten geht. Man konnte sich kaum vorstellen, dass das Spiel regelmäßig unter den konkurrierenden Dörfern gespielt wird.

In der Zwischenzeit kam ich dann mit “meinem” Esperanto schon recht gut zurecht, es gab auch so viel zu erzählen, dass man sich mit bloßem Zuhören auch nicht begnügen konnte. Auch wenn ich in der Versuchung war, sobald mir eine Vokabel fehlte, eine französische einzusetzen. Zudem muss man sagen, dass die Franzosen untereinander kein Französisch sprachen. Jeder Vortrag, sei es bei der Feuerwehr oder im Museumsturm, wurde auf Esperanto übersetzt, und natürlich galt die Devise “ne krokodilu”. Esperanto zu hören und zu lesen gab es “en masse” u. a. bei den französischgesprochenen Filmen “Die fabelhafte Welt der Amélie” und “Gattaca” mit Esperanto-Untertiteln! Hier kann man sich Anregung holen und vielleicht auch mal deutschsprachige Filme auf Esperanto untertiteln.

Ein letztes Mal durften wir uns noch beim “bunten Abend” austoben, an dem verschiedene Teilnehmer Sketche und lustige Spiele vortrugen. Unter anderem natürlich der obligatorische Sketch von uns Deutschen, der diesmal eine Parodie verschiedener Programmpunkte des Festos war. Überraschend weiblich sah doch mein Freund in der Rolle der Spiel-Moderatorin aus!

Im Schloss hing ein Gedicht aus, ohne Angabe von Verfasser oder Titel:

Kun vizo kaj valizo
Vojaĝis al Parizo
Knabin’ el Varsovi’
Vojaĝis mi kun ŝi

Obstino de knabino,
Jam, ĉe la pola limo
Forlasis dece ŝin,
Ni ridis ĝis Berlin’.

Survoje, ho, tre ĝoje
Ŝvitadis mi plurfoje
Sub ŝarĝo de l’valiz’
Helpante ĝis Pariz’

Kaj tie, kiel kutime
Ŝi dankas min gracie
Ĉarmulo estas vi
Ĉar mulo estas vi!

Fazit: Packt die Koffer nicht zu voll, wenn es zum IS nach Trier geht!

Kore,
Anja Lehmann


zurück zur Artikelübersicht