Orte

Zwischen 1961 und 1989

Infolge der politischen Entwicklung verlief das Esperanto-Leben trotz räumlicher Nähe weitgehend getrennt in östlichen Bezirken, die Teil der “Hauptstadt der DDR” waren und eng mit dem Esperanto-Leben in der DDR und anderen sozialistischen Staaten verzahnt war, und in den westlichen Bezirken, die nach Meinung der östlichen Seite eine “Unabhängige Staatliche Einheit Westberlin” bildeten, von ihren Einwohnern aber überwiegend als Teil der Bundesrepublik Deutschland und des westlichen Bündnisses betrachtet wurden.

Das Passieren der Grenze, in Berlin oft als “Mauer” bezeichnet, war grundsätzlich möglich, aber an bestimmte Bedinungnen geknüpft. So mußten Besucher aus dem Westen pro Besuch einen “Zwangsumtausch” von 30 DM tätigen und Bürger der DDR mußten im Rentenalter sein, wenn sie den Westteil Berlins besuchen wollten. Für die Angehörigen anderer Staaten gab es unterschiedliche Regelungen. So konnten polnische Staatsbürger eine Zeitlang problemlos nach Westberlin kommen, was sie für Einkäufe nutzten. Umgekehrt konnten Angehörige der drei westlichen Besatzungsmächte jederzeit über den Übergang “Checkpoint Charly” an der Friedrichstrasse einreisen.

Viele nutzten Berlin als Sprungbrett. Besucher aus dem Westen konnten billige Flugverbindungen von Flughafen Schönefeld (DDR) nutzen, der durch eine Sonderregelung zügänglich war. Oder fuhren mit billigen Fahrkarten der sozialistischen Eisenbahngesellschaften. Besucher, die von Osten kamen, empfanden Westberlin als ersten Vorposten westlicher Freiheit, auch wenn sie noch einige 100 km Fahrt auf der Transitstrecke in die Bundesrepublik vor sich hatten.

Formelle Beziehungen zwischen den Esperanto-Organisationen gab es nicht.

1945 bis 1961

Esperantisten dürften die militärische Niederlage der Wehrmacht als Befreiung empfunden haben, auch wenn es in Berlin mit großen Zerstörungen und der Besetzung durch die Rote Armee verbunden war.  Schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 gibt es Bemühungen, die zerstreuten Esperantisten, die nur privat Kontakt gehalten hatten, wieder zusammen zu führen.

2 Responses to Orte

  1. Christoph Hoppe says:

    Zitat aus dem Text: “Westberliner verstanden sich als ‘Frontstadt’ und Beziehungen zum Feind im Osten galten als suspekt.” Ist das wirklich die Haltung der Westberliner Esperantisten gewesen? Oder soll das für alle Westberliner gelten? Als solcher wäre ich angesprochen. Den “Osten als Feind” gab es im allgemeinen Sprachgebrauch der Westberliner nicht. Im Westen wurde ohne Weiteres sehr genau zwischen der DDR-Regierung und der DDR-Bevölkerung unterschieden, wobei die DDR-Bevölkerung als Opfer einer Diktatur betrachtet wurde – und ganz sicher nicht als “Feind”. Somit weiß ich auch kein Beispiel, dass Ostkontake als “suspekt” galten. Im Gegenteil: die Mehrzahl der Westberliner, die ich kenne, können heute noch lebhaft und positiv von teilweise manigfaltigen Ostkontakten erzählen.

    • Felix says:

      Die angesprochene Formulierung stellt auf keinen Fall den Standpunkt des Vereins dar. Der
      Autor hat hier wohl etwas polemisch schreiben wollen. Ich habe den Satz jetzt erstmal gestrichen. Vielen Dank für den Hinweis!

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